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Körpergeruch: Spiegelbild der Gene Den richtigen Partner mit der Nase finden

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Wer sich nicht sicher ist, den richtigen Partner gefunden zu haben, sollte intensiv an ihm riechen.

(Foto: imago/Westend61)

Schöne Augen, gut proportionierter Körper, toller Charakter: Weder Aussehen noch Persönlichkeitsmerkmale reichen aus, um zum Beziehungsglück zu finden. Der natürliche Körpergeruch bestimmt mit darüber.

HLA-Allele

Die Gene für nahezu alle HLA-Proteine befinden sich auf dem Chromosom 6. Sie sind Teil des angeborenen Immunsystems und erkennen den Unterschied von pathogenen Eindringlingen. Sie sind wichtig für die Differenzierung von Eigen- und Fremdmaterial, beispielsweise bei einer Organtransplantation.

Ihre Eigenschaften werden codominant vererbt und als Duftstoffe über die Nase unterbewusst wahrgenommen. Bei vielen unterschiedlichen HLA-Allelen besitzt der Mensch ein entsprechend breites Spektrum an Immunrezeptoren, der Organismus erkennt so viele Parasiten und Viren.

Den richtigen Partner findet man mit der Nase - und Gegensätze ziehen sich an, zumindest in Bezug auf die Gene. Das hat die Wissenschaftlerin Jana Kromer von der Medizinischen Fakultät Carl Custav Carus an der Technischen Universität Dresden herausgefunden. Für ihre Untersuchung befragte sie mehr als 250 Paare zwischen 18 und 60 Jahren, wie zufrieden sie mit ihrer Beziehung sind, ob sie einen Kinderwunsch haben und wie aufregend sie ihr gemeinsames Sexualleben einschätzen. Nach der Befragung wurde den Probanden eine Speichelprobe entnommen und die sogenannten HLA-Allele auf Chromosom 6 untersucht. Dabei stellte sich heraus: Je unterschiedlicher die untersuchten Gene der beiden Partner waren, umso größer war die Anziehungskraft zwischen ihnen.

Kromer untersuchte die HLA-Allele der Klasse I und II, weil sie sich als Immunrezeptoren an der Zelloberflächen befinden und deshalb vom Menschen wahrgenommen werden können. "Der Geruchssinn arbeitet hier im Unterbewusstsein und übernimmt teilweise die Steuerung bei der Partnersuche", erklärt Kromer. Mann und Frau erschnüffeln sich so, ohne einen Gedanken daran zu verlieren, ihren idealen Liebhaber oder Liebhaberin, mit dem oder der es evolutionstechnisch perfekt wäre, die Reproduktion zu starten, weil beide sehr unterschiedlich in bestimmten Erbanlagen sind.

Der Vorteil der unterschiedlichen Erbanlagen ist klar: Eine größere Vielfalt heißt für die Nachkommen bessere Chancen, sich auf Krankheiten einzustellen und körpereigene Heilungsprozesse zu organisieren. Konkret bedeutet das: weniger Infekte, weniger Autoimmunerkrankungen, weniger Allergien. Sie bedeutet gleichzeitig einen besseren Schutz vor Mutationen. Allerdings stellen sich die positiven Effekte nur beim natürlichen Körpergeruch des Partners ein. Düfte oder Medikamente wie beispielsweise die Anti-Baby-Pille verändern die Wirkungen.

Industrie ist interessiert

Die Arbeit der jungen Wissenschaftlerin ist auf vielfältige Resonanz gestoßen. Interesse hat auch schon die Industrie bekundet.

Es ist wahrscheinlich, dass die wissenschaftlichen Daten zum "Parfume naturel" als Grundlage für die Entwicklung eines ganz individuellen Parfüms verwendet werden könnten. Einem Duft, der zum eigenen Genpool passt und den natürlichen Körpergeruch unterstützt – damit man den richtigen Partner leichter mit der Nase finden kann.

Quelle: ntv.de, jaz

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