Unterhaltung
Manji: ein Mann gegen alle.
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Dienstag, 06. Februar 2018

Samurai-Action von Takashi Miike: "Blade of the Immortal" setzt Maßstäbe

Von Thomas Badtke

Der Name Takashi Miike steht für Gewaltexzesse, Blutbäder und Kultfilme. Sein 100. Werk macht da keine Ausnahme: Samurai-Action, basierend auf einem Erfolgs-Manga, verrückt, überzeichnet, witzig, blutig, mit Gefühl. Miike at it's best!

Klogang, Bier auf, Chips bereit? Das alles sollte der Zuschauer bei "Blade of the Immortal" bereits vor dem Start erledigt haben, denn während des 100. Films von Kultregisseur Takashi Miike bleibt dafür keine Zeit. 140 Minuten Action, Blut, Gewalt, abgedrehte Dialoge, schwarzer Humor, Gefühl, Geschichte: Miikes "Blade of the Immortal" ist ein Samurai-Epos im Manga-Stil, das man gesehen haben muss.

"Blade of the Immortal" ist bei Ascot Elite erschienen.
"Blade of the Immortal" ist bei Ascot Elite erschienen.

Damit keine Zweifel aufkommen, um was für einen Film es sich bei "Blade of the Immortal" handelt, reichen bereits die ersten Minuten. Es gibt keine Einleitung, kein minutenlanges Abtasten, tänzeln, Luftholen. Nein, es geht direkt ab und mitten auf die Zwölf.

Manji (Takuya Kimura; "Space Battleship Yamato") ist ein waschechter Samurai - und auf der Flucht, denn er ist das Opfer einer Intrige. Dabei hat er ein Blutbad angerichtet und aus Versehen auch den Mann seiner Schwester Machi getötet. Ehrensache, dass er sich um sie kümmert. Allerdings kleben ihm Dutzende Verfolger an den Fersen und stellen ihn irgendwann. Manjis Schwester wird hinterrücks ermordet und Manji, rasend vor Wut, nimmt es mit allen Gegnern gleichzeitig auf.

Was wohl nicht einmal er für möglich gehalten hat: Er tötet sie alle, bis auf den Anführer. Mit letzter Kraft streckt er auch ihn nieder, allerdings ist Manji selbst so verletzt, dass auch er im Sterben liegt. Und das ist auch gut so: Er konnte seine Schwester nicht beschützen, in seinen Augen hat er damit jeden Grund weiterzuleben verwirkt.

Blöd nur, dass eine uralte Hexe etwas ganz anderes mit ihm vorhat. Sie sucht ihn auf dem Schlachtfeld heim und legt ein paar Blutwürmer des Heiligen Lamas auf seine Wunden. Die heilen daraufhin blitzschnell und Manji ist von da an unsterblich. Ein Untoter. Verdammt dazu, für immer und ewig auf dieser Erde zu wandeln.

Blut muss fließen!

Rin will blutige Rache an den Mördern ihrer Familie.
Rin will blutige Rache an den Mördern ihrer Familie.

Cut. 50 Jahre später. Das kleine Mädchen Rin (Hana Sugisaki) hat Großes vor: Sie will, wenn sie groß ist, den Dojo ihres Vaters übernehmen. Doch daraus wird nichts, denn der Schwertkämpfer Anotsu (Sota Fukushi) hat eigene Pläne: Alle Schwertkampfschulen der Region will er unterwerfen, ihnen seinen eigenen Stil aufzwingen. Der entspricht nicht der Norm, Anotsu schwingt die Streitaxt.

Rins Vater wird ermordet, die Mutter wird zur Sklavin und Anotsus Männer tun ihr unaussprechliche Dinge an. Rin wird verschont, was sich noch als Fehler herausstellen wird, denn sie sinnt auf Rache. Und als sie von einem Kämpfer hört, den man anheuern kann, macht sie sich auf die Suche nach ihm: Manji.

Der lebt vor sich hin und macht sich um nichts einen Kopf. Warum auch? Er ist schließlich unsterblich, selbst abgetrennte Gliedmaßen wachsen wieder an. In Rin erkennt er aber seine kleine Schwester Machi wieder und so willigt er letzten Endes ein, sie zu beschützen und ihr zu ihrer Rache zu verhelfen.

Manji sucht seine Erlösung.
Manji sucht seine Erlösung.

Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Anotsu, der mittlerweile sogar politische Ränke schmiedet, um sein Ziel zu erreichen. Seine Gefolgsleute, egal ob männlich oder weiblich, stellen sich Manji in den Weg. Doch alle finden sie den Tod. Aber es taucht auch ein weiterer Unsterblicher auf. Auch er hat Bekanntschaft mit der alten Hexe gemacht. Auch er will nur eines: endlich sterben und Erlösung finden.

Mehr Blut muss fließen!

Großes Kino! Wie man es von Takashi Miike seit den "Bodyguard Kiba"-, "Shinjuku"- und "Dead or Alive"-Reihen gewohnt ist. Dass Miikes Filme eher abseits der gängigen Norm unterwegs sind, weiß man spätestens seit "Yakuza Demon" oder jüngst "Yakuza Apocalypse". Und in dieses Bild passt nun auch "Blade of the Immortal" mit all den herumfliegenden Körperteilen, Blutfontänen und bis ins kleinste Detail durchchoreografierten Schwertkämpfen.

Miike nutzt als Plot die gleichnamige Manga-Reihe von Hiroaki Samura. Und damit der Film auch nah am Comic bleibt, lässt er Samura das Drehbuch schreiben. Diese Idee hatten auch schon andere, aber bei Miike zahlt sich das aus: Man mag zu Mangas stehen, wie man will, das abgedrehte, verrückte, ja überzeichnete findet sich zu 100 Prozent im Film wieder.

"Blade of the Immortal" hätte kein anderer so inszenieren können wie Miike. Erinnerungen an "Zatoichi" werden wach, den blinden Samurai, der sich wortwitzig durchs Leben schlägt. Bei Miikes 100. Film ist nur alles etwas größer, gewaltiger, pompöser: Kulissen, Kostüme, Schwertkämpfe. Das Blut läuft nicht, es fließt in Strömen. Als Zuschauer kann und will man einfach nicht wegschauen. Gebannt sitzt man vorm Fernseher und das von der ersten bis zur letzten der 140 Minuten. Danach braucht es kein Bier oder Chips mehr, sondern einen Verdauungsschnaps: Prost, Takashi Miike! Auf die nächsten 100 Filme.

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Quelle: n-tv.de