Panorama

Ausgangssperre als Probelauf 1,3 Milliarden Inder sollen daheim bleiben

AP_20082250015096.jpg

Diese Arbeiter halten sich (noch) nicht an die "Volksausgangssperre".

(Foto: AP)

Abgesehen von China leben in keinem Land so viele Menschen wie in Indien. Normalerweise belebte Straßen in Neu-Delhi sind nun wie leer gefegt, die Strände von Mumbai verlassen. Wegen der Corona-Krise probt das Land einen Shutdown der Superlative. Die meisten scheinen die Übung ernst zu nehmen.

Indien hat testweise einen landesweiten Shutdown gestartet. Zwischen 7 und 21 Uhr (Ortszeit) hat Premierminister Narendra Modi angesichts der Corona-Krise zur sogenannten "Volksausgangssperre" aufgerufen. 1,3 Milliarden Inder sollen zu Hause und Geschäfte geschlossen bleiben, fast alle Inlandsflüge wurden gestrichen. Die Restriktionen sind allerdings freiwillig. Die 14-stündige Ausgangssperre soll Bürgern und Politikern ein Gefühl dafür geben, wie sich das Leben unter noch nie zuvor gesehenen Einschränkungen anfühlt.

RTS36V2W.jpg

Ungewohnte Leere hier in Mumbai.

(Foto: REUTERS)

"Lasst uns alle ein Teil dieser Ausgangssperre sein, die ein gewaltiger Beitrag zum Kampf gegen die Bedrohung durch Covid-19 sein wird", twitterte Modi mit Blick auf die Lungenkrankheit Covid-19, die durch das Virus ausgelöst wird. "Bleiben Sie zu Hause und bleiben Sie gesund", fügte er hinzu. "Diese Ausgangssperre wird ein Lackmustest für unsere Nation sein", hatte Modi bereits am Freitag erklärt.

Straßen wirken wie ausgestorben

6c77fd944fc22b7f75127f0d2e2002a3.jpg

Auf dieser Straße in der Millionenstadt Ahmedabad ist kaum jemand unterwegs.

(Foto: REUTERS)

In der Hauptstadt Neu-Delhi und der Finanzmetropole Mumbai scheinen sich die meisten Bewohner an die Vorgaben zu halten. Normalerweise geschäftige Straßen wirken wie ausgestorben. Durch die beliebten Lodi-Gärten in Neu-Delhi flanieren nur wenige Besucher - zu einer Zeit, zu der sich laut dem Sicherheitsmann Jaiveer Singh gewöhnlich zahlreiche Menschen in dem Park aufhalten. "Wenn es hilft, die Ausbreitung (des Coronavirus; Anm. d. Red.) zu stoppen, sollte die Regierung darüber nachdenken, sie für zwei oder drei weitere Tage zu verlängern", sagte Singh zu der Ausgangssperre.

Beobachter gehen davon aus, dass der begrenzten Ausgangssperre längere verpflichtende Ausgangsbeschränkungen nachfolgen werden. Indien hat bislang mehr als 320 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet, fünf Menschen starben. Die Dunkelziffer könnte nach Einschätzung von Experten allerdings deutlich höher liegen.

*Datenschutz

Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Virus hat die indische Eisenbahngesellschaft den Bahnverkehr bis zum 31. März fast komplett eingestellt. Bis Ende des Monats verkehren nur noch Güterzüge und Züge aus Großstädten in die Vororte. Von den Einschränkungen betroffen sind mehr als 20 Millionen Menschen, die das Eisenbahnnetz täglich nutzen.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa