Panorama

Flugzeugunglück in Griechenland 11,5 Tonnen Munition an Bord der abgestürzten Antonow

303986843.jpg

Ein Feuerwehrmann vor Ort sprach von "einer Information, nach der das Flugzeug Munition transportiert hat".

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Ein ukrainisches Frachtflugzeug mit zwölf Tonnen "gefährlicher Fracht" stürzt über Griechenland ab. Die Löscharbeiten gestalten sich aufgrund der anhaltenden Explosionen schwierig. Die Antonow hat Munition transportiert. Für wen sie bestimmt war, ist unklar.

Eine Sondereinheit der griechischen Armee hat damit begonnen, die Trümmer des Frachtflugzeugs zu untersuchen, das am späten Samstagabend in der Nähe der nordostgriechischen Stadt Kavala abgestürzt ist. An Bord befanden sich 11,5 Tonnen Munition für Mörsergranaten sowie Übungsmunition, wie der serbische Verteidigungsminister Nebojsa Stefanovic in Belgrad bekannt gab. Die Antonow An-12 war von der serbischen Stadt Nis aus gestartet, Ziel der Fracht war laut Stefanovic Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, Abnehmer das dortige Verteidigungsministerium. Auf der Route seien mehrere Zwischenstopps geplant gewesen.

Die bangladeschische Armee bestätigte, dass die Fracht für sie bestimmt gewesen sei. Das Flugzeug habe "von Serbien bereitgestellte Trainings-Mörsergranaten für die bangladeschische Armee" transportiert. "Es befanden sich keine Waffen in der Ladung und die Ladung war versichert." Auch ein Sprecher der griechischen Feuerwehr sagte, dass "kein gefährliches Material" am Unglücksort gefunden worden sei.

Das Flugzeug habe alle erforderlichen Genehmigungen für den Transport gehabt, die Munition werde von einem serbischen Unternehmen produziert, sagte Stefanovic. Behauptungen in Medien, dass die Antonow Waffen von Serbien in die Ukraine transportieren sollte, wies der Minister zurück. Das Flugzeug gehöre lediglich einer ukrainischen Fluggesellschaft.

Eigentümer der Fracht sei das serbische Unternehmen Valir gewesen, das auf den Handel mit Militärgütern spezialisiert sei, sagte der serbische Verteidigungsminister weiter. Die ukrainische Fluggesellschaft Meridian erklärte, sie sei Betreiberin der Maschine gewesen. Firmenchef Denys Bohdanowytsch bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters den Tod der gesamten Besatzung. Der Vorgang habe nichts mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu tun, sagte Bohdanowytsch.

Immer wieder Explosionen

Bei dem Unfall waren alle acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Nach Angaben Kiews handelt es sich bei allen um ukrainische Staatsangehörige. "Die vorläufige Ursache des Unfalls ist der Ausfall eines der Triebwerke", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums bei Facebook.

Das Flugzeug war auf dem Weg zu einem ersten Tank-Stopp in Jordanien, als der Pilot über der nördlichen Ägäis Probleme mit dem Triebwerk meldete und eine Notlandung in Kavala beantragte. Dorthin aber schaffte es die Maschine nicht mehr - sie stürzte laut Augenzeugen in einem Feuerball auf ein Feld nahe der Dörfer Paleochori und Antifilippi. Eine Anwohnerin sagte, die Maschine habe ihr Haus nur knapp verfehlt. "Es war ein unbeschreiblicher Lärm, das Flugzeug kam über den Berg, drehte sich und krachte ins Feld", sagte die Frau.

Für das Unglück gab es zahlreiche Augenzeugen und auch Handyvideos, weil die brennende Maschine schon vor dem Absturz weithin am Nachthimmel sichtbar war. Anwohner zeigten sich Journalisten gegenüber entsetzt, aber auch erleichtert. "Stellen Sie sich nur vor, die Maschine voller Munition wär auf bewohntes Gebiet gestürzt", sagte ein Mann dem Staatssender ERT.

Sorge vor toxischer Fracht

Nach dem Unfall waren beißende Dämpfe festgestellt worden, auch gab es rund um das Wrack noch Stunden später Explosionen. Die Feuerwehr zog sich deshalb umgehend zurück und sperrte das Gebiet ab. Anwohner wurden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen und die Fenster geschlossen zu halten. Drohnenaufnahmen zeigten am Morgen ein Bild der Verwüstung - eine gewaltige Schneise zog sich über die Felder, von der Maschine selbst waren nur noch Trümmer übrig.

Bei den Anwohnern wuchs derweil die Sorge vor möglicherweise toxischer Fracht der Antonow. Zuvor hatten Feuerwehrleute und Anwohner über Atemwegsprobleme geklagt. Der Bürgermeister der Gemeinde Pangeo, Filippos Anastasiadis, schloss gegenüber dem Staatssender ERT nukleare und chemische Kampfstoffe aus. Das Militär ist dennoch mit einer Sondereinheit vor Ort, die mit der ABC-Abwehrtruppe der Bundeswehr vergleichbar ist: Die Experten können atomare, biologische und chemische Kampfstoffe und industrielle Gefahrstoffe aufspüren und sind auch auf die Dekontamination von Menschen, Material und Infrastruktur spezialisiert. Bürgermeister Anastasiadis sagte, man stehe bereit, die Dörfer zu evakuieren, wenn es nötig sein sollte.

Quelle: ntv.de, mli/cls/AFP/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen