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Verbannt wegen Menstruation 19-Jährige stirbt wegen Chhaupadi

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Es ist ein uralter, längst verbotener Brauch: In Nepal werden Mädchen und Frauen während ihrer Regelblutung aus der Gesellschaft verbannt - sie müssen dann abseits des Dorfes leben.

(Foto: REUTERS)

Wenn Tulasi ihre Tage bekommt, muss sie in den Kuhstall umziehen. Denn Menstruationsblut gilt in Nepal als unrein. Ihre letzte Verbannung überlebt die 19-Jährige nicht.

Weil sie während ihrer Menstruation als unrein gelten, werden Frauen in Nepals Bergdörfern regelmäßig verstoßen. Chhaupadi heißt diese umstrittene Hindu-Tradition, die auf einem veralteten Verständnis des Frauenkörpers und viel Aberglaube fußt. Sie besagt, dass Frauen während der Regel nicht berührt werden dürfen. Sie dürfen kein Haus, keine Schule und keinen Tempel betreten, dürfen keine öffentlichen Wasserquellen benutzen, dürfen keine Tiere oder Pflanzen berühren, müssen sich nur von Getrocknetem oder Reis ernähren. In der Nacht müssen die Mädchen und Frauen in abgelegenen, kargen Verschlägen schlafen.

Eine 19-Jährige hat diese frauenverachtende Tradition nun mit ihrem Leben bezahlt. Wie CNN berichtet, musste Tulasi Shahi aus dem westnepalesischen Distrikt Dailekh während ihrer Monatsblutung bei ihrem Onkel im Kuhstall schlafen. Dort soll sie zweimal von einer Giftschlange gebissen worden sein. Das erklärte der örtliche Bürgermeister und fügte hinzu, dass man Spuren am Kopf und Bein des Mädchens gefunden hat.

Ihre Familie habe die 19-Jährige zunächst mit Hausmitteln zu behandeln versucht, bevor sie sie ins nächste Gesundheitszentrum gebracht hätten, heißt es weiter. Dort sei jedoch das richtige Gegengift nicht verfügbar gewesen. Da die monsunartigen Regenfälle die Straßen überschwemmt hatten, konnte die 19-Jährige nicht rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden. Sieben Stunden nach den Bissen erlag Shahi schließlich dem Gift der Schlange.

"Unsere Frauen und Mädchen sterben"

Der Tod der jungen Frau ist kein Einzelfall. Obwohl der Chhaupadi-Brauch bereits seit 2004 offiziell verboten ist, wird er Menschenrechtlern zufolge immer noch besonders von Hinduisten in ländlichen Gebieten im Westen Nepals und im südlichen Grenzgebiet zu Indien praktiziert. Nicht selten findet das Exil ein tragisches Ende. Die Frauen sind dem Wetter und wilden Tieren schutzlos ausgeliefert, die hygienischen Zustände oftmals miserabel. Fernab von jeglicher medizinischer Versorgung entwickeln viele Frauen Infektionen. Dazu kommt, dass viele auch sexueller Gewalt ausgesetzt sind.

Shahi ist bereits der zweite Teenager, der in weniger als zwei Monaten während des Chhaupadi-Ritus starb. Ein 14 Jahre altes Mädchen erlag Ende Mai einer schweren Erkältung. Im Dezember letzten Jahres erstickte eine 15-Jährige in der Hütte, in die sie während ihrer Menstruation zum Schlafen verbannt wurde.

Weder die Polizei noch örtliche Politiker setzen sich genügend für eine Umsetzung des Verbots ein, beklagen Aktivisten. "Unsere Mädchen und Frauen sterben, während der Staat ein Auge zudrückt", kritisiert die bekannte Schriftstellerin Radha Paudel.

Quelle: n-tv.de, dsi

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