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Die Muskeln von Holly Warland sind mittlerweile so schwach, dass sie die meiste Zeit liegen muss. Ansonsten ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen.
Die Muskeln von Holly Warland sind mittlerweile so schwach, dass sie die meiste Zeit liegen muss. Ansonsten ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen.(Foto: imago/Reporters)
Freitag, 16. November 2018

Kampf um Sterbehilfe: 27-Jährige dokumentiert ihren langsamen Tod

Die Australierin Holly Warland hat eine seltene Muskelerkrankung, die irgendwann zum Tod führen wird. In sozialen Netzwerken teilt sie ihren beschwerlichen Alltag mit ihrer Behinderung. Und es gibt noch ein Thema, mit dem sie sich an die Öffentlichkeit wendet.

Die Australierin Holly Warland weiß, dass sie bald sterben wird. Die 27-Jährige leidet an einer seltenen Muskelerkrankung, die sie mittlerweile ans Bett fesselt. Seit 2017 dokumentiert sie ihren Alltag in den sozialen Netzwerken. Damit möchte sie auf ihre Krankheit, aber auch auf das Thema Sterbehilfe aufmerksam machen.

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Als Warland elf Jahre alt ist, wird bei ihr Gliedergürteldystrophie (LGMD) festgestellt. Eine seltene und unheilbare Krankheit, die auf eine Genmutation zurückzuführen ist. Die Krankheit lässt die Muskeln immer schwächer werden, vereinzelt treten Lähmungen auf. Immer wieder hat die Australierin starke Schmerzen.

Zunächst kann Warland ein einigermaßen normales Leben führen. Sie geht zur Schule, studiert, dann beginnt sie ihren Doktor in Neurowissenschaften zu machen. Doch dann werden die Symptome ihrer unheilbaren Krankheit immer stärker. "Jeden Tag begann ich mit Wellen der Übelkeit, einem rasenden Puls, Muskelkater, Hyperventilation und unkontrollierbarem Zittern aufzuwachen. Mein Leben geriet ins Chaos", schreibt sie auf der Plattform "Bored Panda". Sie muss ihre Promotion abbrechen.

2016 ist auch das Jahr, in dem sie sich zum ersten Mal mit dem Thema Sterbehilfe befasst, wie sie in einem Youtube-Video erklärt. Sie informiert ihren Freund Luke, ihre Freunde und ihre Familie darüber, ihr Leben irgendwann mithilfe aktiver Sterbehilfe beenden zu wollen. Sie wolle selber entscheiden, wann und wie ihr Leben ende, so Warland. Zwar seien alle zunächst schockiert gewesen, doch dann sei ihre Entscheidung auf viel Verständnis gestoßen. "Eltern wollen nie ihre Kinder sterben sehen. Aber zu sehen, wie jemand leidet, ist für viele noch viel schlimmer", sagt die 27-Jährige.

Sie erklärt weiter, dass sie sich nichts anderes wünsche als einen Tod ohne Schmerzen, ohne Komplikationen, zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt und von einem Fachmann begleitet. Ein schwieriges Unterfangen, denn in ihrer Heimat Australien ist - wie in Deutschland auch - selbstbestimmtes Sterben verboten. Um sich ihren Wunsch zu erfüllen, muss Warland in die Schweiz reisen.

Australierin dokumentiert ihren Krankheitsverlauf

Doch noch ist es nicht soweit. Noch will Warland nicht sterben. Und solange sie noch lebt, möchte sie die Welt über ihr Leben mit LGMD informieren und sich für die Legalisierung von Sterbehilfe einsetzen. Hilfe bekommt sie dabei von ihrem Freund Luke. Er fotografiert Warland regelmäßig und dreht Videos von seiner Freundin. Und diese teilen sie dann auf sozialen Netzwerken. Allein auf Instagram interessierten sich rund 18.000 Menschen für Warlands Schicksal.

In ihren Postings zeigt sich die 27-Jährige durchaus selbstironisch, aber sie dokumentiert auch unverblümt den Verfall ihres Körpers. In einem Youtube-Video berichtet sie, dass sie mittlerweile bei allem Hilfe brauche: Bei Toilettengängen, beim Duschen, beim Essen. "Ich liege den ganzen Tag und die ganze Nacht im Bett." Authentizität scheint der jungen Frau bei ihren Posts sehr wichtig zu sein. Auf ihrem Instagram-Account zeigt sie sich meist ungeschminkt, über den Bildern liegen keine schöner machenden Filter. Scrollt man auf dem Account in die Vergangenheit zurück, so wird der schnell voranschreitende Krankheitsverlauf deutlich.

Ihren ersten Post bei Instagram setzte Holly Warland im März 2017 ab. 130 Bilder und Videos hat sie seitdem über diesen Kanal veröffentlicht. An diesem Tag trägt sie ein T-Shirt auf dem "World's okayest runner" steht. Doch laufen kann sie da schon lange nicht mehr. Warland sitzt bereits im Rollstuhl.

Quelle: n-tv.de