Panorama

Corona-Lage in Indien dramatisch 274.000 neue Infektionen - an einem Tag

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Die Zahl der positiv Getesteten steigt in Indien exorbitant.

(Foto: dpa)

Menschen suchen online verzweifelt nach Krankenhausbetten, Sauerstoff und Medikamenten. Krematorien sind überlastet. Die zweite Corona-Welle erfasst Indien mit voller Wucht. Premierminister Modi gibt sich kämpferisch - und ist gleichzeitig gefährlich leichtsinnig.

Wegen einer enormen Zahl an Corona-Neuinfektionen und eines Gesundheitssystems am Limit gilt seit heute in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi eine einwöchige Ausgangssperre. In dem Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern wurden nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium innerhalb von 24 Stunden insgesamt 274.000 neue Corona-Fälle erfasst - ein Höchstwert. Zudem starben an einem einzigen Tag 1619 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19.

Im Internet suchen Leute verzweifelt nach Krankenhausbetten, medizinischem Sauerstoff und Arzneimitteln. Aus mehreren Gebieten gibt es Berichte, wonach Krematorien überlastet sind. Auch Impfstoff ist knapp, obwohl Indien diesen eigentlich selbst in Massenproduktion herstellt und noch im vergangenen Monat viele Dosen an ärmere Länder verschenkt hatte. Bislang wurden in Indien nach Angaben des Gesundheitsministeriums 123 Millionen Dosen gespritzt.

Gleichzeitig gibt es weiterhin Massenveranstaltungen für die anstehenden Regionalwahlen - oft ohne Masken und Abstand. Premierminister Narendra Modi sagte bei einer solchen Veranstaltung am Samstag, Indien habe vergangenes Jahr das Coronavirus schon einmal besiegt und könne das wieder tun. In absoluten Zahlen ist Indien mit mehr als 15 Millionen erfassten Infektionen das am zweitschlimmsten betroffene Land, nach den USA. Annähernd 179.000 Menschen starben nachweislich mit oder an dem Virus.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson sagte wegen der Infektionslage eine geplante Reise inzwischen ab. "Angesichts der aktuellen Coronavirus-Situation kann Premierminister Boris Johnson nächste Woche nicht nach Indien reisen", teilte die Downing Street mit. Stattdessen würden Johnson und Modi am Monatsende über "ihre ehrgeizigen Pläne für die künftige Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Indien" sprechen. Johnson hatte seine geplante Indien-Reise bereits einmal verschoben. Der Staatsbesuch in dem Land wäre die erste große Auslandsreise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2019 gewesen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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