Panorama

30 Verletzte in Nordhessen 29-Jähriger lenkt Auto in Karnevalsmenge

Es sollte ein ausgelassener Karnevalsumzug in der nordhessischen Kleinstadt Volkmarsen werden - doch das Vergnügen wird jäh durch einen Autofahrer unterbrochen, der seinen Mercedes in die Menge lenkt.

Bei einem Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurden nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill 30 Menschen verletzt, sieben davon schwer. Rund ein Drittel der Opfer sind nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth Kinder. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Zum Motiv könne man nichts sagen, teilte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle mit. "Wir ermitteln in alle Richtungen." Zuvor hatte es zu den Hintergründen zum Teil widersprüchliche Angaben der Polizei gegeben. Der Fahrer wurde nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft festgenommen, ist deutscher Staatsbürger, 29 Jahre alt und kommt aus Volkmarsen. Er erlitt Verletzungen und soll einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, sobald sein Gesundheitszustand dies zulasse. Nach RTL-Informationen wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht.

Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat lagen nicht vor. Das hessische Innenministerium schloss einen Anschlag nicht aus. Ein Sprecher der Behörde begründete das mit der Situation vor Ort. Der Fahrer war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Allerdings war der Mann der Polizei in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Die Polizei Nordhessen warnte indes davor, online Fotos zu verbreiten, die angeblich den Täter zeigen. "Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter", schrieb die Polizei bei Twitter. "Teilen Sie keine Falschnachrichten!",

"Bald stehe ich in der Zeitung"

Medien- und Augenzeugenberichte, wonach der Tatverdächtige stark alkoholisiert war, konnten die Ermittler bislang nicht bestätigen. Eine Nachbarin sagte zu RTL: "Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen und sagte, 'bald stehe ich in der Zeitung'". Badle sagte am Abend, zum jetzigen Zeitpunkt könne er weder dementieren noch bestätigen, das Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen seien.

Nach Angaben von Polizeipräsident Bereswill gab es auch noch eine zweite Festnahme. Allerdings sei noch nicht klar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei, sagte er auf einer Veranstaltung am Montagabend in Frankfurt am Main. Die Polizei war nach dem Vorfall mit einem großen Aufgebot vor Ort. Es wurde umgehend eine "Besondere Aufbauorganisation" im Polizeipräsidium Frankfurt eingesetzt, von dort wird die Lage geführt. Aus Sicherheitsgründen sollten am Montag keine weiteren Faschingsumzüge in Hessen mehr stattfinden. Die polizeiliche Präsenz wurde landesweit verstärkt.

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Einsatzkräfte am Abend neben dem Tatfahrzeug.

(Foto: REUTERS)

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) sagte: "Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt." Im Rathaus sei ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet worden, das bis Dienstag geöffnet bleibe. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich betroffen und sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. "Ich bin schockiert über diese schlimme Tat, durch die viele unschuldige Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind. Ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden und wünsche allen eine schnelle und vollständige Genesung."

Frontal gegen die Laufrichtung

Die Zeitung "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gab es dazu keine Angaben. Die "Hessenschau" berichtete, der Tatverdächtige sei frontal gegen die Laufrichtung in die Menschenmenge gefahren.

Laut Informationen der Waldecker Landeszeitung war der Fahrer mit einem im Landkreis Waldeck-Frankenberg zugelassenen silberfarbenen Mercedes in die Zuschauermenge gefahren. Die Menschen standen dem Blatt zufolge dicht gedrängt, als der Wagen durch die Absperrung auf die Menschen zufuhr. "Die Leute sind umgeflogen wie Papier. Ein paar Sekunden Totenstille und dann haben alle geschrien", sagte ein Augenzeuge im Hessischen Rundfunk. Ein Zeuge berichtete laut "Bild"-Zeitung, erboste Menschen seien am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen, die Polizei habe ihn schützen müssen. Laut dem Vorsitzenden der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, Christian Diste, hatten an dem Umzug 700 Menschen in 27 Gruppen teilgenommen.

*Datenschutz

Nach dem Zwischenfall waren alle Fastnachtsumzüge in Hessen vorsichtshalber abgebrochen worden. Das Polizeipräsidium Frankfurt bezeichnete dies als Vorsichtsmaßnahme. Wie viele Umzüge betroffen waren, ist noch unklar. Die Polizei Nordhessen richtete nach dem Zwischenfall ein Hinweisportal ein. Die Polizei Nordhessen appellierte, keine Aufnahmen in sozialen Medien zu verbreiten. Volkmarsen ist eine Kleinstadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt.

Quelle: ntv.de, vpe/fzö/dpa/AFP