Panorama

Unglück nahe Madrid300-Kilo-Kugel knockt Zuschauer aus

30.08.2017, 11:45 Uhr
2
Videoaufnahmen zeigen, wie schnell die 300-Kilo-Kugel die Gassen herunterrast. (Screenshot) (Foto: Youtube/Antena 3 Noticias)

Es ist eine humane Alternative für das traditionelle Stierrennen. Statt vor gestressten Tieren flüchten die Menschen im spanischen Dorf Mataelpino vor gigantischen Kugeln. Das Risiko für die Teilnehmer ist aber nach wie vor groß, wie ein schwerer Unfall zeigt.

Die gute Nachricht zuerst: Bereits seit ein paar Jahren hetzt man in Mataelpino bei Madrid keine Stiere mehr durch die Straßen. Das kleine Dorf in Zentralspanien hat sie aus Geldnot und für den Tierschutz ausgetauscht. Als humane Alternative zum Stierrennen flüchten die Männer des Dorfes beim sogenannten "Boloencierro" vor gigantischen Kugeln - bemalt mit Stierköpfen.

Das Risiko für die Teilnehmer ist aber nach wie vor groß, wie ein schwerer Unfall des diesjährigen Spektakels offenbart. Mehrere Videos, die im Netz kursieren, zeigen einen Ausschnitt der jüngsten Hatz am Wochenende. Zu sehen ist ein Mann, der von einem riesigen Ball getroffen und überrollt wird und bewusstlos am Boden liegen bleibt. Mehrere Menschen eilen ihm zu Hilfe, Sanitäter legen ihm schließlich eine Halskrause an.

Wie der britische "Telegraph" berichtet, erlitt das Opfer einen Schädelbruch und wurde im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt. Den Angaben zufolge ist er nach einer Not-Operation mittlerweile außer Lebensgefahr. Ein weiterer Läufer, den die Kugel ebenfalls traf, kam demnach glimpflich davon. Er erlitt drei Rippenbrüche und eine Gehirnerschütterung.

"Boloencierro" seit 2010

Mataelpino war eine der ersten Gemeinden in Spanien, die das Stierrennen abgeschafft hat. Jahr für Jahr verletzten sich Menschen und Tiere bei der traditionellen Jagd, Tierschützer forderten längst die Absetzung. Als das knapp 2000 Einwohner zählende Dorf vor sieben Jahren kein Geld mehr für seine Stierhatz hatte, kam es auf die ausgefallene Idee zum "Boloencierro". Seither laufen die Wagemutigen die abschüssigen Dorfgassen vor den Riesenkugeln hinunter.

Eine Kugel bringt knapp 300 Kilo auf die Wiege, also in etwa soviel wie ein kleiner Stier wiegt, sie ist drei Meter im Durchmesser groß und erreicht auf der 500 Meter langen Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde.

Trotz der fehlenden Hörner und der donnernden Hufen, warnt der Bürgermeister die Teilnehmer regelmäßig vor dem Start, die Riesenkugel nicht zu unterschätzen. "Wir werden alle unsere Sicherheitsmaßnahmen überprüfen", versprach Pérez de los Nietos nach dem schweren Unfall. "Die Leute glauben, dass ihnen nichts passieren wird, weil sie nicht vom Stier aufgespießt werden können. Aber das ist leider falsch. Wenn der Ball sie voll erwischt, kann es ernst werden."

Quelle: dsi

UnglückeMadridSpanien