Panorama

Zweiter Anschlag in kurzer Zeit 41 Tote nach Explosion in Moschee in Kandahar

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Die Zahl der Opfer könne noch steigen, sagte Nematullah Wafa, ein ehemaliger Vertreter des Provinzrats.

(Foto: picture alliance / AA)

Eine Detonation erschüttert das Freitagsgebet: Bei einer großen Explosion in einer Moschee im südafghanischen Kandahar sterben mindestens 41 Menschen. Fotos in sozialen Medien zeigen viele Menschen, die offenbar tot oder ernsthaft verletzt sind.

Bei einer Explosion in einer schiitischen Moschee im Süden Afghanistans sind nach Angaben der regierenden Taliban mehrere Menschen getötet und verletzt worden. 41 Tote und 70 Verletzte seien in seine Klinik gebracht worden, sagte ein Arzt des örtlichen Krankenhauses. Spezialkräfte seien bereits in der Stadt Kandahar in der gleichnamigen Provinz vor Ort, um die Art der Detonation zu untersuchen, teilte ein Sprecher der militant-islamistischen Taliban mit. Die Urheber würden zur Rechenschaft gezogen, hieß es weiter.

Die Zahl der Opfer könne aber noch steigen, sagte Nematullah Wafa, ein ehemaliger Vertreter des Provinzrats. Sondereinsatzkräfte der Taliban sicherten das Gelände. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Blut zu spenden. Pressefotos in sozialen Medien zeigten zahlreiche Menschen, die offenbar tot oder ernsthaft verletzt auf dem blutverschmierten Boden der schiitischen Moschee lagen. Weitere Details waren zunächst nicht verfügbar.

Augenzeuge spricht von drei Explosionen

Ein Augenzeuge berichtete von drei Explosionen - eine am Haupteingang der Moschee, eine weitere im südlichen Teil des Gotteshauses und eine dritte in einem Raum, wo die Gläubigen ihre Waschungen vornehmen. Ein Anwohner berichtete von Schüssen gefolgt von "zwei oder drei" Explosionen. Rund 15 Krankenwagen waren vor Ort, die Sicherheitskräfte der radikalislamischen Taliban riegelten die Gegend ab. Ein örtlicher Taliban-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass sich "nach ersten Informationen" ein Selbstmordattentäter in der Moschee in die Luft gesprengt hatte.

Erst am vergangenen Freitag waren bei einem Anschlag auf eine Moschee der schiitischen Minderheit in der Stadt Kundus im Norden Afghanistans mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden. Der lokale Ableger der sunnitische Terrormiliz, IS Chorasan (IS-K), reklamierte den Anschlag für sich. Der 2014 gegründete IS-K ist mit den Taliban verfeindet. Wie der russische Präsident Wladimir Putin sagte, halten sich derzeit seinen Geheimdiensten zufolge mindestens 2000 IS-Kämpfer im Norden des Landes auf.

Zu den Attacken des IS kam es vor allem in der Hauptstadt Kabul und in den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar. Zuletzt hatte der IS unter anderem einen verheerenden Anschlag Ende August am Flughafen Kabul während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission mit nach Medienberichten fast 200 Toten für sich reklamiert.

Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter, für Sicherheit im Land zu sorgen.

Quelle: ntv.de, jki/dpa/AFP

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