Panorama

Anschlag in Kundus Selbstmordattentäter reißt Dutzende in den Tod

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Im August gab es bereits einen Anschlag auf eine Moschee in Kundus, bei dem mehrere Menschen starben.

(Foto: AP)

Erneut kostet ein Anschlag in Afghanistan viele Menschen das Leben. Vor einer Moschee im Nordosten Afghanistans werden bei einer Explosion Dutzende Menschen getötet und mehr als 140 Menschen verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamiert den Anschlag für sich.

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee im nordafghanischen Kundus sind mindestens 55 Menschen getötet worden. Mehr als 140 Menschen seien zudem verletzt worden, teilte ein Vertreter der Taliban-Regierung mit. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag für sich reklamiert. Das erklärten die Extremisten über den Kommunikationsdienst Telegram.

Die Explosion habe sich im Bezirk Chan Abad ereignet, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Er bezeichnete die Opfer als "Märtyrer". Ein örtlicher Taliban-Vertreter, Matiullah Rohani von der Regionalregierung, sagte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe. Lokalen Medien zufolge passierte der Vorfall während des Freitagsgebets.

Auf in sozialen Medien geteilten Videos sind Dutzende Tote und Verletzte zu sehen. Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie Männer und Frauen nach der mutmaßlichen Explosion eine Straße hinunterlaufen und schreien.

IS wird verdächtigt

In einer Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak auf Telegram hieß es, ein Selbstmordattentäter habe in der schiitischen Moschee eine Sprengstoffweste gezündet. In der Vergangenheit hatte vor allem die IS schiitische Ziele in Afghanistan angegriffen. Allerdings kam es zu den Angriffen des IS vor allem in der Hauptstadt Kabul und den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar.

Zuletzt hatte der IS unter anderem einen verheerenden Anschlag Ende August am Flughafen Kabul während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission mit nach Medienberichten fast 200 Toten für sich reklamiert. Dem Afghanistan-Experten Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zufolge bedeuten die Anschläge des IS nicht, dass die Gruppe stärker geworden ist. Nach dem Verlust seiner Basen in Ostafghanistan in den Jahren 2019 und 2020 lebten aber offenbar Überreste im Untergrund fort, die zu solchen Anschlägen fähig seien.

Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter, für Sicherheit im Land zu sorgen. Die Taliban sind mit dem IS verfeindet und haben diesen seit dessen Auftauchen in Afghanistan Anfang 2015 bekämpft. IS-Anschläge zeigen laut Ruttig, dass - wie bereits die Vorgängerregierung - auch die Taliban nicht in der Lage seien, von Rivalen ausgeübten Terrorismus völlig zu unterbinden.

Quelle: ntv.de, lve/jwu/dpa/AFP

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