Panorama

"Kann fatale Folgen haben" 50.000 Krebs-OPs wegen Corona verschoben

121618455.jpg

Die Krebshilfe geht von rund 50.000 verschobenen Operationen bis Mitte Juni aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen der Pandemie halten viele Krankenhäuser Kapazitäten für Corona-Patienten frei. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe wurden dadurch bereits Zehntausende Krebsoperationen verschoben. Der Vorstandsvorsitzende Nettekoven befürchtet fatale Folgen für die Patienten.

Als Folge der Corona-Pandemie sind nach Angaben der Deutschen Krebshilfe hierzulande Zehntausende Krebsoperationen sowie Diagnose- und Früherkennungsmaßnahmen verschoben worden. Der Vorstandsvorsitzende Gerd Nettekoven warnte in der "Augsburger Allgemeinen" vor potenziell fatalen Folgen. Die große Sorge der Krebshilfe sei, dass die Verschiebungen nicht in allen Fällen "auch medizinisch vertretbar" gewesen seien.

Nach Angaben der Stiftung fielen schätzungsweise rund 50.000 Krebsoperationen bis Mitte Juni aus. Dies sei "eine gewaltige Zahl". Fast ein Viertel aller ursprünglich vorgesehenen Krebsoperationen habe damit in diesem Zeitraum nicht stattgefunden. Auch unterstützende Maßnahmen für Krebspatienten, von der psychosozialen Betreuung bis zur Palliativmedizin, seien in den Kliniken "teilweise extrem nach unten gefahren" worden.

Bei der Krebshilfe hätten sich Patientinnen gemeldet, bei denen Brustkrebs-Nachsorgeuntersuchungen verschoben worden seien, sagte Nettekoven. "So etwas kann fatale Folgen haben." Nach seinen Angaben schieben die Kliniken und Arztpraxen "eine große Bugwelle von verschobenen therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen" vor sich her. Dies könne "irgendwann zu lebensbedrohlichen Situationen für Krebspatienten führen".

Im vergangenen Mai veröffentlichte die internationale Chirurgenvereinigung CovidSurg Collaborative eine Studie, wonach weltweit 28,4 Millionen Operationen in diesem Jahr aufgeschoben werden könnten. Für die Studie sammelten Wissenschaftler der Universität Birmingham die Daten von 359 Krankenhäusern in 71 Ländern zu den abgesagten Eingriffen. Daraus erstellten sie ein Modell für rund 190 Staaten weltweit und kamen zu dem Ergebnis, dass jede zusätzliche Woche, in der die Corona-Krise den Krankenhausalltag umwirft, weltweit zu etwa 2,4 Millionen weiteren OP-Aufschüben führt. Abgesagt werden demnach vor allem orthopädische Eingriffe, doch auch 2,3 Millionen Krebsoperationen sind betroffen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP