Panorama

Urlaubsschiff unter Quarantäne 66 neue Corona-Fälle auf "Diamond Princess"

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Isoliert an Bord eines Luxusschiffes: Bis 19. Februar müssen es die Passagiere der "Diamond Princess" mindestens noch aushalten.

(Foto: REUTERS)

Das Coronavirus aus China breitet sich auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" weiter aus: Unter den fast 4000 Menschen an Bord gibt es neue Infektionsfälle. Die Reederei will allen Passagieren die Kosten für die Reise erstatten.

An Bord des unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" haben sich 66 weitere Passagiere mit dem neuen Coronavirus angesteckt. Damit erhöhe sich die Zahl der Infizierten an Bord des Schiffes auf rund 130, berichtete der japanische Sender NHK.

Nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums stammen die Betroffen größtenteils aus Japan. Elf der neuen Infizierten kommen demnach aus den USA, vier aus Australien und drei von den Philippinen. Jeweils einen positiven Virustest gab es bei Passagieren aus Kanada, Großbritannien und der Ukraine.

Auch in diesen Fällen sei die Verlegung von Bord entsprechend der Anweisungen des japanischen Gesundheitsministeriums erfolgt, teilte die Reederei Princess Cruises mit. Die "Diamond Princess" steht seit Anfang vergangener Woche im Hafen von Yokohama in der Bucht von Tokio unter Quarantäne. Die behördlich angeordnete Schutzmaßnahme sollte ursprünglichen Planungen zufolge noch bis 19. Februar andauern.

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Am Kai im Hafen von Yokohama: Die "Diamond Princess" liegt fest vertäut rund 25 Kilometer südlich von Tokio.

(Foto: REUTERS)

Das Auftreten weiterer Infektionsfälle komme nicht unerwartet, da man sich noch früh in der 14-tägigen Quarantänefrist befinde, erklärte ein Reederei-Sprecher. Sofern "keine unvorhergesehenen Entwicklungen" einträten, bleibe es beim 19. Februar als Enddatum der Quarantäne.

Deutsche auf dem Schiff

An Bord befinden sich etwa 3700 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter auch fast ein Dutzend Reisende aus Deutschland. Auslöser der Maßnahme war der Fall eines 80-jährigen Passagiers, der die "Diamond Princess" in Hongkong verlassen hatte und dann dort sechs Tage später positiv auf das Coronavirus 2019-nCoV getestet worden war. Wie kurz darauf bekannt wurde, haben sich offenbar tatsächlich Mitreisende bei dem Mann angesteckt.

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Für das Kreuzfahrtunternehmen Princess Cruises entwickelt sich der Fall zur finanziellen und organisatorischen Belastungsprobe. "Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände an Bord" kündigte die Reederei an, Passagieren den "vollen Reisepreis, einschließlich Flugreisen, Hotelunterbringung, Transfers, vorausbezahlten Landausflügen und Trinkgeldern" zu erstatten.

Darüber hinaus sollen die Gäste eine "Gutschrift für eine zukünftige Kreuzfahrt" erhalten. Gleichzeitig bestätigte die Reederei, dass zwar alle Trinkgelder an die Gäste zurückerstattet würden, das Unternehmen aber seinerseits dafür aufkommen werde, dass die "Besatzungsmitglieder für die geleistete Arbeit die verdienten Trinkgelder" erhalten.

WHO-Chef: "Spitze des Eisbergs"

International wächst unterdessen die Sorge, die Coronavirus-Epidemie in China könnte sich weiter ausbreiten. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte am Wochenende, die bisher bekannten Fälle außerhalb Chinas könnten nur "die Spitze des Eisbergs" sein. Tatsächlich könnten sie auf eine weitaus größere Ausbreitung des Erregers hindeuten, teilte er mit.

Die britische Regierung stufte die Epidemie zu Wochenbeginn als "ernsthafte und unmittelbar bevorstehende Bedrohung" ein. Das britische Gesundheitsministerium kündigte zudem neue Maßnahmen zum Schutz der Öffentlichkeit an. So können unter anderem Infizierte künftig gegen ihren Willen unter Quarantäne gestellt werden.

Mehr als 40.000 Infizierte

In Festlandchina sind nach Angaben der Behörden bereits mehr als 40.000 Menschen an dem neuartigen Coronavirus erkrankt. Mehr als 900 Infizierte starben. Damit hat der Erreger mehr Todesfälle verursacht als die durch andere Coronaviren ausgelösten Atemwegserkrankungen Sars und Mers.

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An Sars starben in den Jahren 2002/2003 weltweit 774 Menschen, die meisten in Festland-China und Hongkong. Der im September 2012 ausgebrochenen Mers-Epidemie erlagen 858 Menschen.

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Die aktuelle Viruserkrankung verläuft in der überwiegenden Zahl der Fälle jedoch deutlich milder als Sars oder Mers. Die Letalitätsrate, also das Verhältnis der Todesfälle zur Gesamtzahl der Infektionen liegt derzeit bei 2,1 Prozent.

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Von China aus hat sich der Erreger in mehr als zwei Dutzend weitere Länder ausgebreitet. In Deutschland gibt es bislang 14 nachgewiesene Infektionen. Die Testergebnisse von 20 Deutschen, die am Sonntag aus der besonders stark betroffenen chinesischen Metropole Wuhan ausgeflogen und in einer Berliner Klinik unter Quarantäne gestellt worden waren, blieben ohne Befund. Demnach ist keiner der China-Rückkehrer mit dem neuen Coronavirus infiziert.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP