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Floss Geld an irakische Milizen? 800 Beamte durchsuchen "Al-Salam-313"

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Die Polizei durchsuchte unter anderem dieses Wohnhaus in Essen.

(Foto: dpa)

Monatelang beobachtet die Polizei in Nordrhein-Westfalen das Treiben einer Rockergruppe. Nun schlagen die Ermittler zu: Knapp 50 Gebäude werden durchsucht, eine Person festgenommen. Beweismittel sollen nun Aufschluss über das Vorgehen der Gruppe geben.

Rund 800 Polizisten machen sich im Morgengrauen in Köln, Essen, Siegburg, Bonn und anderen Städten in Nordrhein-Westfalen bereit. An ihrer Seite: Spezialeinheiten und Fahnder des Staatsschutzes. Gemeinsam umstellen sie 49 Gebäude in elf Städten, um Punkt fünf Uhr schlagen sie dann zu. Bei den Durchsuchungen haben die Beamten 34 Mitglieder der irakischen Rockerorganisation "Al-Salam-313" im Visier.

"Die Razzia wird noch den Rest des Tages andauern", sagt Sylvia Czapiewski von der Essener Polizei, die die Durchsuchungen zusammen mit der Staatsanwaltschaft Essen leitet. Eine Person wurde laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul bereits festgenommen, zudem wurden Beweismittel wie Computer, Handys, Falschgeld und Drogen beschlagnahmt.

Der Verdacht: organisierte Kriminalität. Waffen- und Drogenhandel, Schleusertätigkeiten und Fälschungsdelikte werden bei "Al-Salam-313" vermutet. "Bei letzterem geht es vor allem um falsche Pässe", sagt Czapiewski. Wie und wo die Schleuser agieren, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Auch zu möglichen Verbindungen der Rocker zur Leibgarde des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein will sich die Polizei noch nicht äußern.

Fest steht nur: Die 34 Beschuldigten, gegen die die Polizei nun vorgeht, haben überwiegend die syrische und irakische Staatsangehörigkeit. Laut "Bild"-Zeitung wird ihnen vorgeworfen, Milizen im Irak mit illegalem Geld unterstützt zu haben. Einige von ihnen sollen auch Kontakte zur derzeitigen irakischen Regierung haben.

Polizei beobachtet in NRW 104 Clans

Innenminister Reul spricht auf einer Pressekonferenz von der Rockergruppe als eine "Art Clan", die die Polizei bereits monatelang im Visier gehabt habe. Der Einsatz sei gründlich und lange vorbereitet worden. "Manchmal dauert es ein bisschen, bis wir handeln können, aber dann ist es wirkungsvoll", so Reul. Es müsse nun aufgeklärt werden, wie die Strukturen innerhalb der Gruppe seien und wie stark die Beteiligten im Rockermilieu verwurzelt seien.

Es ist nicht die erste größere Polizeiaktion im Ruhrgebiet: Schon im Januar waren 1300 Polizisten bei einer Razzia gegen Clankriminalität im Einsatz. Laut des kürzlich veröffentlichten Lagebilds zur Clan-Kriminalität gibt es in Nordrhein-Westfalen 104 kriminelle Clans - die allein zwischen 2016 und 2018 rund 14.000 Straftaten begangen haben sollen. Jede fünfte Straftat soll dabei auf das Konto von nur zwei Clans gehen. Insgesamt geht die Polizei aber von 6500 verdächtigen Clan-Mitgliedern aus.

Quelle: n-tv.de

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