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Matheaufgaben zu schwer? Abiturienten begehren nach Prüfung auf

Zehntausende Schüler unterschreiben derzeit Online-Petitionen, die die Bildungsbehörden der Länder zu einem Umdenken bei der Benotung der Mathe-Abiturprüfungen auffordern. Ihrer Ansicht nach waren die Aufgaben zu schwer. Das Vorhaben stößt durchaus auf Verständnis.

Schüler mehrerer Bundesländer wehren sich gegen angeblich zu schwere Abiturprüfungen im Fach Mathematik. In Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt beschwerten sie sich mit Online-Petitionen darüber. Bis zum Sonntagnachmittag wurden diese von mehr als 60.000 Mitstreitern unterstützt.

So heißt es in einer an das bayerische Kultusministerium gerichteten Petition: "Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen." Begründet wird dies mit Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen habe, dies betreffe vor allem Geometrie und Stochastik. In einer Petition von Hamburger Schülern an die Schulbehörde heißt es, die Anforderungen seien nicht erfüllbar gewesen. Niedersächsische Schüler forderten in ihrer Petition an das Kultusministerium "eine sofortige Stellungnahme und eine gerechte Lösung".

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo sagte: "Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen." Am heutigen Montag wolle er mit Experten seines Ministeriums darüber sprechen. Einbezogen werden sollen auch Lehrkräfte und Fachberater. Der Politiker der Freien Wähler appellierte an die Schüler, sich jetzt zunächst auf die anstehenden Prüfungen zu konzentrieren. "Das Abi in Mathe ist jetzt gelaufen, die anderen Prüfungen kommen noch", sagte Piazolo im Bayerischen Rundfunk. Es sei wichtig, Ruhe zu bewahren. Die Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde kündigte in Radio Bremen an, dass das Land sich auch mit den anderen Bundesländern austauschen werde. Dazu werde es in Berlin eine Runde geben.

"Keine Anzeichen" für erschwerte Prüfung

Unterstützung bekamen die Schüler vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Verbandspräsidentin Simone Fleischmann sagte, in einem Teil der Prüfung habe es sehr viel - auch unnötigen - Text gegeben. "Eklatant viele" Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) forderte eine Überprüfung. "Man muss die Kritik ernst nehmen", sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann in Berlin. Wenn es sich herausstelle, dass die Kritik berechtigt sei, könne der Schlüssel bei den Bewertungen angepasst, die Prüfungen also weniger streng bewertet werden. Es könne aber auch Abhilfe geschaffen werden, indem Prüfungen neu abgelegt werden.

Beckmann sagte, die Beschwerden seien auch vor dem Hintergrund der bundeseinheitlichen Poolaufgaben zu sehen. Die Abiprüfungen in den Ländern bestehen aus einer Mischung aus landesspezifischen und einheitlichen Aufgaben. Ein gemeinsamer Aufgabenpool stand den Ländern erstmals 2017 in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch zur Verfügung. Untersucht werden müsse, ob die Aufgaben inhaltlich und zeitlich bewältigbar seien. Angesichts des Lehrermangels stelle sich zudem die Frage, inwieweit Lücken auch auf Unterrichtsausfall zurückzuführen seien.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, mahnte hingegen zur Gelassenheit. "Im Internet lässt sich Erregung schnell mobilisieren, deshalb sollten wir abwarten", sagte Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung". In Bayern sehe er derzeit "keine Anzeichen" für eine erschwerte Prüfung. Die Tendenz zeige für Bayern, "die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abiprüfungen in Mathematik", sagte Meidinger. Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse über eine Neubewertung nachgedacht werden.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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