Panorama

Rache nach Tod des Bruders Afghane muss nach Doppelmord lebenslang in Haft

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Mord aus Heimtücke urteilten die Richter nun.

(Foto: picture alliance/dpa)

Brutal rächt sich ein Afghane an den Mördern seines Bruders. Im Gericht tötet er die beiden Angeklagten. Dafür wird ihm selbst der Prozess gemacht. In ihrem Urteil attestieren sie der Tat den Charakter einer öffentlichen Hinrichtung.

Im erneuten Prozess um den Doppelmord im Justizzentrum in Frankfurt am Main ist der Angeklagte Hayamon S. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem stellte das Landgericht Limburg die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die Schwurgerichtskammer folgte mit dem Urteil dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

S. hatte in dem Fall bereits 2015 in Frankfurt vor Gericht gestanden; er wurde schon damals zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil im April 2018 aber wegen der Befangenheit eines Richters auf und verwies den Fall für einen neuen Prozess an das Landgericht Limburg.

Dort warf die Anklage S. vor, die beiden afghanischen Männer am 24. Januar 2014 aus Rache ermordet zu haben. Demnach schoss er im Eingangsbereich des Frankfurter Landgerichts auf sie und attackierte sie mit einem Messer. Einer der beiden 45 und 50 Jahre alten Männer starb noch am Tatort, der andere erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

S. flüchtete, konnte aber rund 400 Meter vom Gebäude entfernt festgenommen werden. Die Schusswaffe und das Messer trug er demnach noch bei sich. Die beiden Opfer waren wegen einer Messerstecherei angeklagt, bei der der Bruder des Angeklagten ums Leben gekommen war.

"Unbedingter Vernichtungswille"

Das Limburger Landgericht wertete die Tötung der beiden Männer nun als Mord aus Heimtücke. S. habe die arglose Situation seiner Opfer beim Betreten des Landgerichts ausgenutzt. Er habe eine halbautomatische Selbstladewaffe und ein 33 Zentimeter langes Messer benutzt, um seine Opfer zu töten, und mit "unbedingtem Vernichtungswillen" gehandelt. Insgesamt fügte er beiden Männern demnach neun Schuss- und 28 Stichwunden zu. Die Tat habe den Charakter einer öffentlichen Hinrichtung gehabt, befand die Schwurgerichtskammer.

Das Motiv für den Doppelmord sei Selbstjustiz gewesen. Damit habe S. nicht nur seinen Bruder rächen, sondern auch die Ausgrenzung innerhalb seiner Familie ahnden wollen, die ihm eine Mitschuld am Tod des eigenen Bruders gab. S. habe dem Staat die Strafhoheit aus der Hand genommen und die Tötung seines Bruders mit einer eigenmächtig festgesetzten Todesstrafe bestraft. 

Die Verteidigung hatte auf Totschlag in zwei Fällen plädiert, ohne eine konkrete Strafhöhe zu nennen. Vor Gericht behauptete S., dass er von seinen Opfern bedroht worden sei und einer möglichen Attacke auf seine Familie zuvorkommen wollte. Die Kammer glaubte ihm das aber nicht.

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP