Für 200.000 Franken freigekauftAngehörige empört über Haftentlassung von "Constellation"-Chef

40 Menschen sterben bei einer Silvesterfeier im Schweizer Alpenort Crans-Montana, über hundert werden verletzt. Kurzzeitig befindet sich der Betreiber der Bar "Le Constellation" in Untersuchungshaft, jetzt ist er jedoch wieder frei. Für Anwälte ist das "eine Schande".
Mit Unverständnis und Empörung haben Angehörige der Opfer der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana auf die Freilassung des Barbetreibers aus der Untersuchungshaft reagiert. Opfer-Anwälte sprachen von einem "Skandal" und einer "schockierenden Entscheidung". Zuvor hatte das zuständige Gericht im Kanton Wallis die U-Haft des 49-jährigen Barbetreibers Jacques Moretti am Freitag gegen Zahlung von 200.000 Schweizer Franken (umgerechnet rund 215.000 Euro) aufgehoben.
Die Entscheidung, Moretti aus der U-Haft zu entlassen, sei "ein Skandal und eine Schande für die Opfer und ihre Familien", sagte Jean-Luc Addor, Anwalt der Angehörigen eines bei der Tragödie ums Leben gekommenen Jugendlichen. Christophe de Galembert, der einen trauernden Vater vertritt, nannte die Entscheidung "unerwartet und schockierend".
Opferanwalt Romain Jordan sagte, seine Mandanten seien schockiert darüber, "dass erneut keine Rücksicht auf die Gefahr von Absprachen und des Verschwindens von Beweismitteln genommen wird". Morettis Freilassung gefährde die Ermittlungen. Der italienische Außenminister Antonio Tajani sprach von einem "echten Affront" gegenüber den Familien der Opfer. Unter den Todesopfern waren sechs junge Menschen aus Italien.
Justiz will Flucht verhindern
Laut Gericht wurden Moretti "Ersatzmaßnahmen" auferlegt, um einem Fluchtrisiko entgegenzuwirken. So wurde der Barbetreiber den Angaben zufolge dazu verpflichtet, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden. Zudem darf er die Schweiz nicht verlassen. Ferner muss er alle seine Identitäts- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft hinterlegen.
Bei dem Feuer in der Bar "Le Constellation" waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen, die Hälfte davon waren Minderjährige. 116 weitere Menschen wurden verletzt, viele davon sehr schwer. Gegen das Betreiber-Ehepaar wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung ermittelt.
Noch immer Dutzende Verletzte in Kliniken
Mehr als drei Wochen nach der Brandkatastrophe werden nach Angaben von Schweizer Behörden und Krankenhäusern noch immer rund 70 Verletzte in Krankenhäusern in der Schweiz und anderen Ländern behandelt. Einige der Schwerverletzten befinden sich weiter auf der Intensivstation und kämpfen ums Überleben.
Die Ermittler vermuten, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die zu nahe an die mit Schaumstoff verkleidete Decke gehalten wurden. Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaumstoff an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und angebracht zu haben.
Moretti saß seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft, während seine Frau unter Auflagen auf freiem Fuß blieb. Die Kaution wurde laut Gericht von einem Freund des 49-Jährigen gezahlt.