Panorama

Todesfalle Einkaufszentrum Angehörige in Kemerewo fordern Aufklärung

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Ein brennendes Shopping-Center mit verschlossenen Notausgängen - und "nur" 64 Tote?

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Die Katastrophe von Kemerowo entwickelt politische Sprengkraft: Noch stehen in der Stadt viele Menschen unter Schock. Doch die verzweifelte Wut der Angehörigen toter Kinder beginnt, sich gegen die Behörden zu richten. Gibt es mehr Tote als offiziell bekannt?

Wie viele Menschen starben im Inneren des Einkaufszentrums "Winterkirsche" wirklich? Nach dem Flammeninferno in Kemerowo mit offiziell 64 Toten haben Hunderte Menschen in der sibirischen Industriemetropole eine schonungslose Aufklärung gefordert. Noch immer ist etwa auch unklar, wie viele Kinder bei dem Brand ihr Leben verloren. Zuletzt hieß es unter Berufung auf örtliche Rettungsdienste, auf der Liste der Toten stünden 41 Kindernamen.

Eine Bürgergruppe aus Angehörigen und Bewohnern bestätigte nach einem Besuch in einer Leichenhalle, dass 41 Kinder unter den Toten seien. Viele von ihnen seien jedoch noch nicht identifiziert, hieß es. Die Angaben der Behörden seien ansonsten korrekt.

Teilnehmer einer Protestkundgebung forderten von den Behörden zunächst vor allem die Veröffentlichung einer vollständigen Liste der Opfer, wie die Agentur Interfax berichtete. Gerüchten zufolge sollen bei dem Brand in dem dreistöckigen Gebäudekomplex mit seinen beiden Kinosälen und Geschäften sehr viel mehr Menschen ums Leben gekommen sein als bislang bekannt. In den sozialen Medien kursieren Opferzahlen im dreistelligen Bereich. Noch liegen dazu jedoch noch keine belastbaren Informationen vor.

Verhängnisvoller Terror-Fehlalarm?

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"Wie viele Opfer gibt es wirklich?"

(Foto: REUTERS)

Den offiziellen Angaben russischer Behörden zufolge kamen bei dem Brand insgesamt 64 Menschen ums Leben. Das Feuer war am frühen Sonntagabend in der Kinderabteilung im obersten Stock des Einkaufszentrums ausgebrochen. Die Löscharbeiten zogen sich über Stunden.

In der Unglücksnacht müssen sich vor Ort dramatische Szenen abgespielt haben, wie Überlebende berichten: Die im Kino eingeschlossenen Menschen riefen demnach Angehörige an, im Glauben, es handle sich um eine Geiselnahme oder einen Terrorangriff. Ob das fragwürdige Vorgehen der Mall-Mitarbeiter auf den anfangs kursierenden Terror-Verdacht zurückzuführen ist, ist noch unklar.

Im Inneren des Gebäudes brach Panik aus: Um sich vor den Flammen zu retten, sprangen Menschen aus dem Fenster oder riefen verzweifelt ihre Angehörigen per Mobiltelefon an. Vor dem brennenden Shopping-Center liefen Mütter und Väter auf und ab, um auf eigene Faust nach ihren Kindern zu suchen. Viele, so heißt es, hätten hilflos zusehen müssen, während ihre Liebsten im Inneren des völlig verqualmten Gebäudes starben.

Hunderte Menschen im Gebäude?

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"Vergebt uns, Kinder"

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich Hunderte Menschen in dem Kaufhaus aufgehalten haben. An den Löscharbeiten waren rund 500 Feuerwehrleute beteiligt. Sie konnten nach Angaben der Rettungsdienste 120 Menschen in Sicherheit bringen.

Die Brandursache ist längst noch nicht eindeutig geklärt. Ersten Vermutungen zufolge könnte ein defektes Kabel das Feuer ausgelöst haben. Es gibt auch Hinweise von Augenzeugen, denen zufolge Jugendliche mit einem Feuerzeug gespielt und Schaumstoffwürfel angezündet haben sollen.

Putin verspricht "Antworten"

Bei einem überraschenden Kurzbesuch in Kemerowo versprach Russlands Präsident Wladimir Putin, alle Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. "Alle, die antworten müssen, werden uns Antworten geben", sagte der Kremlchef. Die Ermittler bestätigten, dass ein Wachmann den Alarm ausschaltete, nachdem er ein Signal über das Feuer im Gebäude erhalten hatte. Warum er das tat, war zunächst nicht bekannt. Zudem sollen die Eingangstüren des Kinos verschlossen gewesen sein.

Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen, die Notausgänge waren blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen. Auf Anordnung von Gouverneur Aman Tulejew gilt in der sibirischen Region im Kusbass seit Dienstag eine dreitägige Trauer. In der Staatsduma legten Abgeordnete eine Schweigeminute ein.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa