Panorama

"Er rief Allahu akbar" Angriff auf Gefängniswärter endet tödlich

89071589.jpg

Polizisten der französischen Spezialeinheit RAID haben einen Häftling und seine Lebensgefährtin in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Normandie überwältigt.

(Foto: picture alliance / Valery Hache/)

In einem Gefängnis in der Normandie greift ein Häftling zwei Wärter mit einem Messer an. Mit seiner Freundin verschanzt sich der Islamist in seiner Zelle. Eine Antiterroreinheit rückt an und überwältigt beide. Die Frau ist inzwischen tot.

Ein gewalttätiger Islamist hat in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Normandie zwei Wärter mit einem Messer schwer verletzt. Anschließend verschanzte sich der 27-jährige Häftling sich mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer. Elite-Polizeitruppen überwältigten die beiden nach einigen Stunden.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr, wurden Michaël C. und seine Lebensgefährtin bei dem Polizeieinsatz durch Schüsse verletzt. Beide hätten Stichwaffen bei sich gehabt. Die Frau starb, wie der Sender Franceinfo unter Berufung auf den Antiterrorstaatsanwalt Rémy Heitz berichtete. Den Angaben zufolge wollte der Häftling mit seiner Tat den Tod des Straßburger Attentäters Chérif Chekatt rächen, er soll "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben. Bei dem Attentat in der Elsass-Metropole waren im Dezember fünf Menschen getötet worden, zwei Tage später wurde der polizeibekannte islamistische Extremist Chekatt bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet.

C. hatte zwei Wachleute mit einem Messer schwer verletzt und sich dann mit seiner Lebensgefährtin in einem Zimmer verschanzt. Die französische Justizministerin Nicole Belloubet sagte, es gebe "keine Zweifel", dass es sich bei dem Angriff um Terrorismus handele. Die Pariser Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Terrorismus hat den Fall übernommen.

C. war 2010 zum Islam konvertiert und ist in dem Gefängnis als "radikalisierter" Islamist eingestuft. Er war nach Angaben der Haftanstalt mit einem Keramikmesser auf die Wachleute losgegangen. Die Polizei untersuchte, ob seine Lebensgefährtin es ihm ins Gefängnis mitgebracht hat. Keramikmesser lösen bei gängigen Metalldetektoren keinen Alarm aus.

AFP-Reporter hören Explosionen

Im Laufe des Tages mehrten sich rund um das Gefängnis die Anzeichen, dass ein Polizeieinsatz bevorstand: In unmittelbarer Nähe des Gebäudes wurden zwei Militär- und ein Rettungshubschrauber in Position gebracht, Polizisten der Eliteeinheit Raid trafen ein. Am Abend kam es dann zum Zugriff. AFP-Reporter vor Ort berichteten, man habe mehrere Explosionen gehört.

Nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters wurde ein Wachmann schwer am Oberkörper verletzt, ein zweiter erlitt Schnittverletzungen im Gesicht und am Rücken. Der Tatort - ein Zimmer, in dem Häftlinge Besuch von ihren Familien bekommen dürfen - sei "ein Schlachtfeld" gewesen: "Überall war Blut." Lebensgefahr für die Wärter besteht nach Angaben der Justizministerin aber nicht.

Frankreichs Gefängnismitarbeiter protestieren seit langem immer wieder für mehr Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen. Innenminister Castaner bedankte sich via Twitter bei den am Einsatz beteiligten Polizisten: Sie hätten mit Mut, Besonnenheit und Professionalität gehandelt und "wieder einmal ihrer Uniform Ehre gemacht".

Michaël C. verbüßt in Condé-sur-Sarthe eine 30-jährige Haftstrafe für Entführung mit Todesfolge, bewaffneten Raub und für die Unterstützung von Terrorismus. Gemeinsam mit einem Komplizen hatte er im Jahr 2015 einen Mann bei einem Raubüberfall in dessen Haus erwürgt. Ein zweites Mal wurde C. verurteilt, weil er seine Mithäftlinge dazu aufrief, den islamistischen Terroranschlag auf das Bataclan-Kulturzentrum in Paris zu wiederholen. Bei dem Anschlag im November 2015 starben 90 Menschen.

Die Haftanstalt in der Normandie gilt als eine der sichersten Frankreichs. Derzeit sitzen dort 110 Menschen in Haft. Obwohl C. als radikalisiert galt, war er laut Ministerin Belloubet nicht im zusätzlich gesicherten Trakt des Gefängnisses untergebracht, der vor wenigen Monaten eingerichtet wurde.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa