Panorama

Mord an Holocaust-Überlebender Antisemitische Täter kommen vor Gericht

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Im Zweiten Weltkrieg entkam Mireille Knoll der Ermordung durch Nazis. 2018 wurde sie dann dennoch Opfer von Judenhass.

(Foto: imago/PanoramiC)

1942 überlebt Mireille Knoll nur knapp den Holocaust. Mehr als 70 Jahre später wird sie im Alter von 85 Jahren tot in ihrer Wohnung gefunden. Zwei Männer sollen sie aus Judenhass erstochen und ihre Leiche angezündet haben. Nun müssen sie in Paris vor Gericht.

Die mutmaßlichen Mörder einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden kommen in Paris vor Gericht: Die französische Justiz ordnete einen Prozess gegen zwei Tatverdächtige an, wie es am Montag vonseiten der Ermittler hieß. Sie sollen die Jüdin Mireille Knoll aus antisemitischen Motiven getötet haben.

Die brutale Ermordung der Seniorin hatte im März 2018 in Frankreich für Entsetzen gesorgt: Knolls von Messerstichen übersäte und teilweise verbrannte Leiche wurde in ihrer Pariser Sozialwohnung im Osten der Stadt gefunden. Als tatverdächtig gelten der Sohn einer Nachbarin, der 30-jährige Yacine M., sowie der 24 Jahre alte Alex C. Die Ermittler sind überzeugt, dass sie Mireille Knoll "wegen ihrer Religion" töteten.

Die beiden Männer bezichtigen sich gegenseitig, Knoll umgebracht zu haben. Ihre Anwälte bestreiten jedoch ein antisemitisches Motiv. Auch die Mutter von Yacine M. soll vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, Blutspuren an dem Messer beseitigt zu haben, mit dem die 85-Jährige ermordet worden sein soll.

Dritter Mann verdächtigt

Dem Dachverband der jüdischen Institutionen in Frankreich (Crif) war es wichtig, dass die Tat als antisemitisch eingestuft wird. Die Verdächtigen waren damals direkt in Untersuchungshaft genommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll ein dritter Verdächtiger angeklagt werden, weil er Beweise vernichtet haben soll. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die Beerdigung von Knoll besucht, Tausende gedachten ihr bei einem Trauermarsch in Paris.

Nach damaligen Angaben des Anwalts der Familie war Knoll als Mädchen 1942 nur knapp der "Razzia vom Vélodrome d'Hiver" entkommen. Damals hatten französische Polizisten auf Veranlassung der deutschen Besatzer 13.000 Juden festgenommen. Die meisten von ihnen wurden später ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht und ermordet.

Nach dem Tod der Jüdin hatten in Frankreich Tausende gegen Antisemitismus demonstriert. Präsident Emmanuel Macron nannte ihre Ermordung "barbarisch" und nahm an der Beerdigung Knolls teil, um ein Zeichen gegen den wieder erstarkenden Antisemitismus zu setzen.

Quelle: ntv.de, nan/AFP