Panorama

Rettungskräfte ohne Chance Arbeiter sterben bei Brand in Bergwerk

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Das Standbild aus einem Video des russischen Fernsehsenders RU-RTR zeigt das Rettungsteam vor Ort.

(Foto: picture alliance/dpa)

17 Menschen befinden sich in der Grube eines russischen Kalibergwerks. Aus bislang unbekannter Ursache bricht ein Feuer aus. Hohe Temperaturen und starker Rauch schneiden vielen Arbeitern den Fluchtweg ab.

Kurz vor Weihnachten haben zwei schwere Grubenunglücke Russland und Tschechien erschüttert und mindestens 22 Bergarbeiter das Leben gekostet. Am Samstag kamen bei einem Feuer in einem russischen Kalibergwerk westlich des Urals neun Arbeiter ums Leben. Ihre Leichen wurden erst einen Tag später in verschiedenen Trakten des Stollens entdeckt, wie die Behörden der Region Perm und Rettungskräfte laut russischen Medien mitteilten. Es wird davon ausgegangen, dass der Brand bei Bauarbeiten entstand.

Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete an, dass die Familien der Opfer entschädigt werden. Das Bergwerk liegt bei Solikamsk, etwa 1200 Kilometer Luftlinie entfernt von Moskau. Der Montag, Heiligabend, wurde zu einem Trauertag erklärt.

Das am Samstag in 340 Metern Tiefe ausgebrochene Feuer hatte den Männern den Rückweg aus der Mine abgeschnitten. Wegen hoher Temperaturen und starken Rauchs konnten die Rettungskräfte nicht rechtzeitig zu ihnen durchdringen. Insgesamt 17 Arbeiter waren in der Grube, als das Feuer ausbrach, nur acht von ihnen konnten sich unverletzt ins Freie retten. Die Behörden nahmen Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften auf. Vier Mitarbeiter des Bergwerks seien festgenommen worden, hieß es.

Chancen auf Rettung gering

Das Bergwerksunternehmen hatte die Chancen auf eine Rettung der neun festsitzenden Männer schon früh als gering eingeschätzt. Sie seien zwar mit einer speziellen Schutzausrüstung und Sauerstoffflaschen ausgestattet gewesen, mit der sie aber nur eine bestimmte Zeit überbrücken könnten. Zu ihnen bestand überhaupt kein Kontakt.

Zunächst war über einen Methan-Austritt als mögliche Brandursache spekuliert worden. Die Behörden wiesen das zurück und berichteten von geplanten Arbeiten mit Beton an einem neuen Schacht in der Grube. Unklar war aber, was das Feuer genau ausgelöst hatte. In Russland kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen in Bergwerken.

Erst am Donnerstag waren bei einem Grubenunglück im Osten Tschechiens 13 Bergarbeiter ums Leben gekommen, darunter zwölf Polen. In einer Tiefe von 880 Metern war es zu einer Explosion und einem anschließenden Feuer gekommen, gegen das rund 200 Grubenretter ankämpften. Ein Sprecher des Betreibers OKD sagte, es deute alles darauf hin, dass der Brand gelöscht sei. Spezialkräfte der Grubenwehr würden nun versuchen, bis zur Unglücksstelle vorzudringen, um sich ein genaueres Bild von der Lage zu machen. Bisher konnte nur ein Toter geborgen werden. In Polen wurde der Sonntag als nationaler Trauertag begangen.

Gedenken in Tschechien

In Tschechien ertönten am Samstag landesweit die Zivilschutzsirenen, um an die Opfer des schlimmsten Grubenunglücks in dem Land seit 1990 zu erinnern. Die Steinkohlezeche bei der Stadt Karvina liegt rund 300 Kilometer östlich von Prag und ist seit 1968 in Betrieb.

In Deutschland war am Freitag mit dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop die letzte Steinkohlezeche geschlossen worden. In der Zeche Ibbenbüren im Münsterland war zuvor ein Arbeiter unter Tage ums Leben gekommen - zwei Wochen nach der Schließung des Bergwerks. Der 29-Jährige wurde nach ersten Erkenntnissen in einer sogenannten Wettertür eingeklemmt und erlitt dabei tödliche Verletzungen.

Quelle: ntv.de, fzö/kst/dpa

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