Panorama

Nach der U-Boot-Katastrophe Argentinischer Marine-Chef wird gefeuert

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Die 66 Meter lange "ARA San Juan" war 1983 in Deutschland gebaut worden und später in argentinischen Besitz übergegangen. Verschollen ist das U-Boot auf einer Routinefahrt.

(Foto: imago/Xinhua)

Noch immer fehlt von dem argentinischen U-Boot "ARA San Juan" und seinen 44 Besatzungsmitgliedern jede Spur. Die Umstände des Unglücks sind ebenso unklar wie das damit einhergehende Krisenmanagement. Nun gibt es personelle Konsequenzen.

Rund 30 Tage nach dem spurlosen Verschwinden des U-Boots "ARA San Juan" mit 44 Besatzungsmitgliedern an Bord ist der Chef der argentinischen Marine gefeuert worden. Der argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguad habe sich zur Entlassung von Admiral Marcelo Srur entschieden, nachdem immer wieder neue Versionen über das Krisenmanagement der Marine und Ungereimtheiten nach dem Verschwinden des U-Boots publik geworden waren.

Es wird vermutet, dass es nach dem Eindringen von Wasser einen Kurzschluss mit anschließender Explosion gab. Nach dem Boot wird unter anderem mit russischer Hilfe weiter gesucht, es gibt aber keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden.

Wie die Nachrichtenagentur Télam berichtete, soll interimsweise Juan Mocoroa neuer Marinechef des südamerikanischen Landes werden. Die Regierung hat eine Sonderkommission eingesetzt, um die Umstände und das Krisenmanagement bei dem U-Boot-Unglück untersuchen zu lassen.

Unregelmäßigkeiten bei der Sanierung?

Zuletzt hatte das deutsche Unternehmen Ferrostaal Spekulationen über Unregelmäßigkeiten bei den Aufträgen zur Sanierung des U-Boots zurückgewiesen. Das Essener Unternehmen teilte mit, bevor das U-Boot geborgen sei, sei es unseriös, darüber zu spekulieren, ob einzelne Ersatzteile, deren Einbau und Wartung oder Bedienfehler oder gänzlich andere Umstände das Unglück verursachten. "Dies gilt insbesondere für die Mitteilungen des argentinischen Verteidigungsministeriums, das selbst die volle Verantwortung für Einbau und Wartung der Batterie-Ersatzteile trägt", so Ferrostaal.

Das 66 Meter lange Boot war 1983 in Deutschland gebaut worden und später in argentinischen Besitz übergegangen. Es war bei einer Routinefahrt im Südatlantik verschollen. Meeressonden hatten eine Explosion an Bord registriert. Zweieinhalb Stunden zuvor hatte die Besatzung in einer letzten Verbindung über einen angeblich kontrollierten Schwelbrand in den Batterien des elektrisch angetriebenen U-Boots berichtet. Beim Auftauchen war Wasser über den Schnorchel eingedrungen und hatte bei den Bug-Batterien einen Kurzschluss verursacht.

Argentinische Regierungssprecher wiesen anschließend auf die 2011 erfolgte Generalüberholung des U-Boots hin. Die Batteriezellen wurden bei deutschen Unternehmen bestellt. Um Kosten zu sparen, erfolgte nach Informationen von Ferrostaal auf Wunsch der argentinischen Marine kein vollständiger Austausch der Batterien, sondern lediglich der einzelnen Batteriezellen. Zudem sei der Austausch von der Marine weitgehend eigenständig auf der eigenen Werft Tandanor durchgeführt worden, wurde betont.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

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