Panorama

Lungenexperte belastet Chauvin Arzt nennt Floyds Todesursache

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Der Lungenexperte Martin Tobin (r.) schildert am neunten Prozesstag Details zur Todesursache.

(Foto: via REUTERS)

Im Fall George Floyd sagen Zeugen und Sachverständige aus. Der Polizeichef von Minneapolis verurteilte bereits vor Gericht das Vorgehen des Angeklagten. Nun weist ein Lungenspezialist die Aussage der Verteidigung zurück, wonach Vorerkrankungen oder Drogen zu Floyds Tod beigetragen haben könnten.

In den USA hat ein Lungenspezialist im Gerichtsprozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ausgesagt und Sauerstoffmangel als Todesursache festgemacht. Der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin habe sein Knie fast die ganze Zeit auf Floyds Hals gedrückt, sagte der er auf Pneumologie und Intensivmedizin spezialisierte Mediziner Martin Tobin am Donnerstag vor den Geschworenen im Gericht in Minneapolis. Der Lungenexperte wies damit die von der Verteidigung vertretene Theorie zurück, nach der Floyds Tod nicht auf Gewalteinwirkung, sondern auf dessen Herzrhythmusstörungen und Rückstände von Drogen in seinem Blut zurückgehe.

Der Mangel an Sauerstoff habe Schäden am Gehirn Floyds verursacht, sagte Tobin weiter, der sich eine Videoaufnahme vom Tod des 46-Jährigen nach eigener Aussage "hunderte Male" angesehen hat. Die fehlende Atemluft habe bei Floyd eine Herzrhythmusstörung ausgelöst, die sein Herz schließlich "zum Stillstand brachte", sagte der Sachverständige.

Der Experte erklärte den Geschworenen, an welchen Merkmalen er den Moment erkannte, in dem Floyd gestorben sei. "Man kann seine Augen sehen, er ist bei Bewusstsein, und dann sieht man, dass er es nicht mehr ist", sagte er. "Das ist der Moment, in dem das Leben aus seinem Körper schwindet." Auch nach Floyds letztem Atemzug habe Chauvin ihn weiter auf die Straße gedrückt.

"Gesunder Mensch wäre gestorben"

Die von der Verteidigung angeführten medizinischen Vorerkrankungen wies Tobin als Todesursache zurück. "Ein gesunder Mensch, der erlebt hätte, was Floyd erlebt hat, wäre in Folge dessen gestorben", sagte er.

Chauvin habe zeitweise einen großen Teil seines Körpergewichts gegen Nacken und Oberkörper des Opfers gepresst und dessen Atmung dadurch erschwert, sagte Tobin von der Edward Hines Jr. Klinik bei Chicago. Die Bauchlage habe ihn zusätzlich am Luftholen gehindert, sagte der Mediziner, der bestimmte Beinbewegungen Floyds auf den Videos als Anzeichen für die erlittenen Hirnschäden wertete.

Verteidiger spricht von Drogen-Überdosis

Chauvins Anwalt Eric Nelson argumentiert, Floyd sei an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Demnach hatte er vor dem Eintreffen der Polizei zwei Pillen geschluckt. Floyds frühere Freundin hat in dem Prozess ausgesagt, in der Vergangenheit zusammen mit Floyd Drogen gekauft zu haben.

Der Ex-Polizist ist vor dem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota wegen Mordes und Totschlags angeklagt. Dem 44-Jährigen drohen bis zu 40 Jahre Haft, falls er für den am schwersten wiegenden Vorwurf, "Mord zweiten Grades", verurteilt wird. Er hat auf nicht schuldig plädiert.

Chauvin hatte am 25. Mai 2020 dem wegen eines mutmaßlich falschen 20-Dollar-Scheins festgenommenen Floyd minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser mehrfach klagte, er bekomme keine Luft. Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod löste in den USA beispiellose Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Chauvin wurde aus dem Polizeidienst entlassen.

Zeuge verweigert Aussage

Die Hauptverhandlung hatte vor gut anderthalb Wochen begonnen. Es wird erwartet, dass der Prozess etwa einen Monat lang dauert. Am Montag hatte der Polizeichef von Minneapolis, Medaria Arradondo, vor Gericht ausgesagt, Chauvin habe mit seinem Vorgehen gegen Floyd klar gegen die Regeln der Polizeibehörde verstoßen.

Am Dienstag wurde vor Gericht ein Polizeiausbilder über den Einsatz körperlicher Gewalt gegen Festgenommene befragt. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wann Polizisten verschiedene Würgegriffe einsetzen dürfen.

Zudem verweigerte ein Schlüsselzeuge die Aussage. Die Anwältin von Morries Hall, der vor Floyds Tod neben dem 46-Jährigen im Auto gesessen hatte, sagte am Dienstag, ihr Mandant wolle von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen, weil er sich sonst selbst belasten könnte. Grund ist die Frage, ob der Mann Floyd Drogen gegeben oder verkauft hatte. Richter Peter Cahill kündigte eine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt zu Hall an.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa

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