Panorama

Prozess gegen Mediziner startetArzt soll Covid-Kranke totgespritzt haben

11.08.2021, 15:26 Uhr
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Drei Verfahren wegen Totschlags werden separat behandelt. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Ein Essener Oberarzt arbeitet in der Sterbebegleitung von Covid-Patienten. In drei Fällen soll er den Tod der Schwerstkranken unmittelbar herbeigeführt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Seit November sitzt er in U-Haft. Nun kommt er vor Gericht.

Ein Essener Oberarzt muss sich ab der nächsten Woche wegen des Verdachts des Totschlags vor dem Landgericht der nordrhein-westfälischen Stadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, im November einem Patienten in seiner letzten Lebensphase eine Kombination von Medikamenten verabreicht zu haben, die zum unmittelbaren Tod des 47-Jährigen geführt haben soll, wie das Gericht mitteilte. Demnach handelt es sich dabei um einen von drei angeklagten Fällen des Totschlags.

Den Angaben zufolge war der Angeklagte seit Februar 2020 am Universitätsklinikum Essen tätig. Zunächst habe er im Bereich der Kardio-Anästhesie und ab Juli 2020 auf der Intensivstation gearbeitet, auf der überwiegend Covid-19-Patienten behandelt worden seien. Dort sei er auch in die Sterbebegleitung von schwerstkranken Patienten eingebunden gewesen.

Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, einem 47 Jahre alten Niederländer, der wegen einer Lungenentzündung bei einer Covid-19-Infektion von Venlo nach Essen verlegt worden war, eine "kombinierte, überdosierte" Injektion verabreicht zu haben. Demnach spritzte er dem Mann vier verschiedene Mittel. Die Injektion soll unabhängig von der Grunderkrankung des Manns "unmittelbar" zum Tod des Patienten geführt haben.

"Weiterführung der Therapie wäre möglich gewesen"

Zuvor habe der Angeklagte die Ehefrau und den Bruder des Patienten auf die Aussichtslosigkeit der Therapie hingewiesen und eine palliative Sterbebegleitung besprochen. Die Ehefrau sei wegen des "ihr suggerierten kurz bevorstehenden Tods" damit einverstanden gewesen, den Organersatz zu beenden. Die Staatsanwaltschaft gehe hingegen davon aus, dass eine Weiterführung der Therapie möglich gewesen wäre.

Die Klinik hatte sich noch im November zu dem Fall geäußert: "Es besteht der Verdacht, dass der Mediziner in vermutlich zwei Fällen einem versterbenden Patienten in der letzten Sterbephase ein Mittel verabreicht hat, um den Tod unmittelbar herbeizuführen", hieß es in einer Mitteilung. Die Klinik habe die Staatsanwaltschaft unverzüglich über den Verdacht informiert. Der Mediziner sei sofort außer Dienst gesetzt worden, seit dem 18. November sitzt er in Untersuchungshaft.

Für das Verfahren sind zunächst 15 Verhandlungstermine bis Ende November angesetzt. Die Frau des gestorbenen Patienten tritt als Nebenklägerin auf. Zwei weitere angeklagte Fälle des Totschlags werden separat verhandelt.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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