Panorama

"Kurzes Kleid" als Dresscode Auf die Länge kommt es eben doch an

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Welche Rocklänge ist für eine Veranstaltung wie die Verleihung des Staatspreises des Landes NRW angebracht?

(Foto: imago/Runway Manhattan)

Frauen sollen im "kurzen Kleid" zur Preisverleihung kommen, heißt es in einer Einladung zum Staatspreis des Landes NRW. Wie? Müssen jetzt alle Frauen Minirock anziehen? Die Grünen wittern einen #MeToo-Skandal. Weit gefehlt.

Mit Dresscodes in einer Einladung ist das so eine Sache. Was bedeutet noch mal "Black Tie" und was "White Tie"? Und ist es nicht ohnehin diskriminierend, wenn dem Gast vorgeschrieben wird, was er zu tragen hat?

Bei den Grünen in NRW sorgt nun eine Einladung zur Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen für Aufruhr. Denn auf dem Klapp-Kärtchen steht in einem Randvermerk: "Dunkler Anzug/Kurzes Kleid". Damit ist der Dresscode gemeint: Herren sollen bitte in dunklem Anzug erscheinen, Frauen im kurzen Kleid.

Kurzes Kleid? Sollen die Frauen etwa alle im Minirock auf der Veranstaltung erscheinen? Ganz schön sexistisch! Bei den Grünen des Kreisverbandes Köln sorgte die Formulierung deshalb für allerlei Furore. Sprecherin Christiane Martin sieht sich gar dazu veranlasst, eine Pressemitteilung zu verfassen. Der Titel: "'Kurzes Kleid' als Abendgarderobe - Ministerpräsident Laschet belebt Frauenbild des letzten Jahrhunderts wieder." Dabei habe man gedacht, dass die nordrhein-westfälische CDU und Ministerpräsident Armin Laschet nach #metoo und #Aufschrei weiter wären. Kirsten Jahn und Lino Hammer, Fraktionsvorsitzende und -geschäftsführer der Grünen im Kölner Rat, kommen in der Mitteilung zu Wort: "Herr Laschet, wie kurz hätten Sie es denn gerne? Der Ministerpräsident hat anscheinend immer noch nicht verstanden, dass Frauen selbst entscheiden, welche Abendgarderobe sie bevorzugen - unabhängig von der Länge." Im Gespräch mit n-tv.de sagt Sprecherin Martin erbost: "'Kurzes Kleid' - das ist wirklich etwas unglücklich formuliert".

Antiquiert, aber nicht sexistisch

Stimmt, nur leider hat diese Formulierung eine lange Tradition. Auch auf den Einladungen des Bundespräsidenten steht stets der Vermerk "Dunkler Anzug/Kurzes Kleid". Und auch dort stieß die Formulierung nicht immer auf Gegenliebe. So twitterte die saarländische CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön 2017 unter einem Foto, das die Präsidenten-Einladung zeigt: "Sehr geehrter Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wie kurz darf, muss oder soll das Kleid denn sein? #gender #kurzesKleid". Auch 2013 sorgte eine Einladung der FDP mit einem ähnlichen Satz für Aufsehen und stieß Diskussionen im Internet an.

"Dunkler Anzug/Kurzes Kleid" ist ein offizieller, wenn auch etwas antiquierter Dresscode. Mit Sexismus hat er allerdings nichts zu tun. So gesehen wollte es die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen wohl einfach nur richtig machen. Thomas Querengässer, ein Sprecher der Staatskanzlei von NRW, erklärt n-tv.de: "'Kurzes Kleid' dient lediglich der Abgrenzung zum langen Kleid, sprich Abendkleid, das bei der Verleihung des Staatspreises protokollarisch weder angemessen noch erforderlich ist, und gibt ansonsten keine Rocklänge vor." Und: Man habe sich bei der Formulierung am Bundespräsidialamt orientiert.

"Kurzes Kleid" hat also nichts mit Mini zu tun. Doch die immer wieder aufkeimende Sexismus-Debatte, die aufkommt, sobald von offizieller Seite Einladungen verschickt werden, deutet darauf hin, dass es vielleicht an der Zeit ist, den Begriff zu überdenken. Möglich wäre etwa, den Dresscode "Cocktail" vorzugeben. Dann dürfte klar sein: Ein langes Abendkleid ist nicht erwünscht. Vielmehr sollte das Outfit knielang, elegant und zurückhaltend sein.

Und vielleicht ist "Cocktail" auch praktikabler, weil eingeladene Gäste - darunter auch Politiker - im Zweifel auf einfachem Weg herausfinden können, welche Kleidung bei Preisverleihungen angemessen ist. Und sich nicht blamieren.

Quelle: ntv.de