Panorama

Disco-Streit als Motiv? Auto fährt in Fußgängergruppe

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Spurensicherung am Ort des Geschehens: Experten der Polizei sichern in der Bahnhofsstraße Hinweise.

(Foto: dpa)

Amok-Fahrt in Cuxhaven: Am frühen Sonntagmorgen erfasst ein Autofahrer mit seinem Wagen sechs Menschen. Augenzeugen zufolge lenkt der 29-Jährige das Fahrzeug gezielt in eine Gruppe Passanten. Die Hintergründe sind noch unklar.

Ein 29-Jähriger ist im niedersächsischen Cuxhaven mit seinem Kleinwagen vor einer Diskothek in eine Menschengruppe gerast und hat dabei sechs Menschen verletzt. Es gebe Zeugenhinweise, dass der Mann die Passanten bewusst angefahren habe, teilte die Polizei mit.

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50.000-Einwohner-Stadt an der Nordseeküste: Cuxhaven liegt knapp 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg an der Mündung der Elbe.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Hinweise auf einen Terroranschlag lägen nicht vor, hieß es. "Die Ermittlungen haben bereits ergeben, dass vermutlich ein Streit in beziehungsweise vor einer Cuxhavener Diskothek in Zusammenhang mit dem Vorfall stehen könnte", teilte die Polizei am Nachmittag mit. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen, ein politisches Motiv sei aber eher auszuschließen.

Nach Polizeiangaben ist der Fahrer allem Anschein nach syrischer Herkunft und wohnt in Cuxhaven. Mindestens vier Menschen wurden den Beamten zufolge schwer und zwei weitere leicht verletzt. Die Opfer - deutsche Staatsbürger im Alter von 19 bis 29 Jahren - wurden in umliegende Kliniken gebracht und sollten so bald wie möglich befragt werden. Am Nachmittag konnten fünf von ihnen laut Polizei das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Beton stoppt den Fahrer

Der Vorfall ereignete sich am frühen Morgenstunden in der Bahnhofstraße im Stadtzentrum von Cuxhafen. Der Unfallfahrer hatte seine Fahrt nach der Kollision mit der Menschengruppe zunächst fortgesetzt. Erst nach etwa 100 Metern blieb sein Fahrzeug an einem Betonhindernis an der Einfahrt in den Kaemmererplatz liegen. Dort konnte der Fahrer von Zeugen festgehalten werden, bis die Polizei eintraf.

Die Beamten nahmen den Mann vorläufig fest und brachten ihn zur Befragung auf die Wache. Ob er dem Haftrichter vorgeführt wird, sollte sich am Montag entscheiden, berichteten die "Cuxhavener Nachrichten", deren Verlagsgebäude in Sichtweite des Tatorts liegt. Der Mann soll unter Alkoholeinfluss gestanden haben. Ihm wurde eine Blutprobe entnommen, deren Ergebnis nicht vor Montag erwartet wurde. Das genaue Motiv des Mannes sei noch unklar, sagte ein Polizeisprecher.

Sieben Streifenwagen im Einsatz

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Erst die betonierte Umrandung eines Brunnens stoppte die Amok-Fahrt: Das Unfallfahrzeug in Cuxhaven.

(Foto: dpa)

Die Polizei war aufgrund der ersten Meldungen, in denen von einer Auto-Attacke die Rede war, zeitweise mit sieben Streifenwagen im Einsatz. Das Tatfahrzeug, ein weißer Citroën, wurde zur weiteren Untersuchung durch Experten der Spurensicherung sichergestellt. Der Tatort blieb am Sonntag über Stunden abgesperrt. Die Tatortsicherung dauere an, hieß es.

Um etwaigen Spekulationen vorzubauen, wiesen die Behörden früh daraufhin, dass es keine Hinweise auf einen Anschlag gebe. Wie schnell sich ungehemmte Spekulationen zu einem ernsten Vorfall ausweiten können, zeigen die jüngsten Ereignisse in London. Dort war am Freitag mitten im anlaufenden Vorweihnachtsgeschäft am U-Bahnhof Oxford Circus offene Panik ausgebrochen, nachdem sich Gerüchte über "Schüsse" verbreitet hatten. Auslöser des Vorfalls war offenbar ein vergleichweise harmloser Streit zwischen zwei Männern, wie die Londoner Polizei am Wochenende mitteilte. Hinweise auf einen Anschlag gab es auch hier nicht.

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Quelle: n-tv.de, wne/dpa