Panorama

Einmalig in Deutschland Autobahnbrücke rutscht in Position

Betonpfeiler stehen zwischen zwei Brückenteilen der Lennetalbrücke. Foto: Oliver Berg/dpa

Drei weitere Brücken sind auf derselben Strecke derzeit im Bau.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Mit einer innovativen Methode verschieben Arbeiter heute eine tonnenschwere neue Brücke in ihre endgültige Position. Der Koloss auf der sogenannten Sauerlandlinie soll im Schneckentempo 20 Meter verschoben werden und dabei darf nichts schieflaufen: "Jeder Handgriff muss sitzen."

Es braucht präzise Planung und eine gut geschmierte Unterlage: Die neu gebaute, fast einen Kilometer lange Lennetalbrücke auf der A45 wird in ihre finale Position gerückt. Nach dem Abriss der alten Brücke über das Tal bei Hagen hatte das Bauwerk seinen Dienst vier Jahre lang als Behelfsbrücke getan. Es wird nun im Verlaufe des Tages auf riesigen Schlitten ganz langsam knapp 20 Meter nach Osten auf die neuen Brückenstützen verschoben. Nach Angaben der Autobahn-Niederlassung Westfalen ist das Prozedere für eine Brücke dieser Größe bislang einmalig in Deutschland.

Der Koloss - die Brücke misst exakt 984,5 Meter und ist 30.000 Tonnen schwer - werde im Schneckentempo von etwa drei Metern pro Stunde bewegt, hatte der Projektleiter der Autobahn Westfalen, Michael Neumann, vorab erklärt. Dabei werde die tonnenschwere Last Zentimeter für Zentimeter auf Teflonplatten mit Spezialfett in ihre künftige Position gebracht. "Das ist dasselbe Prinzip wie bei der Küchenbratpfanne oder einem Schlitten, dessen Kufen man mit Speck einreibt für weniger Reibungsverluste", sagte er. "So etwas gab es bisher in Deutschland nicht. Jeder Handgriff muss sitzen", sagte sein Kollege Jan Felgendreher, der als Projektleiter beim Bauunternehmen Hochtief verantwortlich ist.

Die Verantwortlichen für den Ausbau der Strecken bei der Autobahn GmbH des Bundes erhoffen sich von dem Pilotprojekt Erkenntnisse und Impulse für künftige Großbaustellen dieser Art: "Mit dem Verschub gehen wir einen Riesenschritt voran - konkret an dieser Baustelle, aber auch mit Blick auf die Nutzung innovativer Verfahren in der Zukunft", teilte die Direktorin der Autobahn-Niederlassung Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek, zum Start der Aktion mit.

Bis oben der Verkehr nicht mehr auf verengten Spuren durch eine Baustelle rollt, müssen sich die Autofahrer aber noch gedulden: Mit einer Freigabe der neuen Brücke wird erst im Sommer gerechnet. Zuvor muss sie Pfeiler für Pfeiler auf die eigentlichen Lager gesetzt werden. Außerdem müssen die Fahrbahnübergänge noch eingebaut werden - insgesamt liegen noch mehrere Monate Arbeit vor den Brückenbauern. Wahrscheinlich sei eine Freigabe im Juni. Bis dahin rollen die 90.000 Fahrzeuge weiterhin auf verengten Fahrbahnen über die bereits fertig gestellte Brücke für die Gegenrichtung.

Der Ausbau der sogenannten Sauerlandlinie von Dortmund bis nach Hessen gehört zu den größten Bauprojekten an nordrhein-westfälischen Autobahnen. Auf der gesamten Strecke der Autobahn gibt es 70 Talbrücken, die inzwischen in die Jahre gekommen sind und Stück für Stück erneuert werden müssen. Drei solcher Brücken sind derzeit im Bau, Planungen für weitere laufen. Die Lennetalbrücke wird im Sommer das erste abgeschlossene große Brückenneubauprojekt entlang der A45 sein.

Quelle: cls/dpa

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