Panorama

Angreifer stürmt Bühne Autor Salman Rushdie bei Vortrag niedergestochen

AP22224541304561.jpg

Rushdie wurde nach der Attacke behandelt. Der Angreifer wurde festgenommen.

(Foto: AP)

Mit seinem Buch "Die satanischen Verse" macht sich Salman Rushdie zum Erzfeind militanter Islamisten. Lange Zeit steht der Autor unter Polizeischutz. Nun wird der 75-Jährige bei einer Veranstaltung in den USA auf offener Bühne angegriffen.

Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie ist bei einem Vortrag im US-Bundesstaat New York angegriffen worden. Die Polizei sprach von einer Messerattacke und teilte mit, Einsatzkräfte seien zu dem Veranstaltungshaus in der Stadt Chautauqua gerufen worden. "Rushdie erlitt eine Stichwunde am Hals", erklärte die Polizei weiter.

Augenzeugen berichteten, dass ein Mann die Bühne stürmte und anfing, Rushdie und einen Interviewer zu attackieren. Der Autor fiel daraufhin zu Boden. Der Angreifer konnte von Anwesenden festgehalten werden. Er wurde später festgenommen. Rushdie wurde mit einem Hubschrauber in ein örtliches Krankenhaus transportiert. Der Interviewer, der mit Rushdie auf der Bühne stand, erlitt eine leichte Kopfverletzung. Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul sagte in der Stadt Buffalo, Rushdie sei am Leben und bekomme im Krankenhaus die Hilfe, die er benötige. "Es war ein staatlicher Polizist, der aufstand und sein (Rushdies) Leben rettete, ihn beschützte", sagte sie und dankte dem Helfer.

1988 veröffentlichte Rushdie sein Buch "Die satanischen Verse". Einige Muslime fühlten sich durch das Werk des 75-Jährigen in ihrem religiösen Empfinden verletzt. Irans Revolutionsführer Ajatollah Khomeini erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen und erhielt Polizeischutz.

Nach Angaben seines Verlags aus dem vergangenen Jahr hat die "Fatwa" des Ajatollahs für Rushdie inzwischen aber längst keine Bedeutung mehr. Er sei nicht mehr eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit und brauche auch keine Bodyguards mehr. Die Jahre des Versteckens gingen jedoch nicht spurlos an ihm vorüber. Er verarbeitete diese Zeit in der nach seinem Aliasnamen benannten Autobiografie "Joseph Anton" aus dem Jahr 2012.

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai. Er studierte später Geschichte am King's College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit "Mitternachtskinder", das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. Rushdie veröffentlichte insgesamt mehr als zwei Dutzend Romane, Sachbücher und andere Schriften. Im Jahr 2007 wurde er von der Queen zum Ritter geschlagen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen