Panorama

Belgien öffnet Vermisstenfall BKA arbeitet Hunderte Hinweise zu Maddie ab

6065355.jpg

Die Leiche von Carola Titze liegt 1996 abgedeckt in einem Rettungswagen der Feuerwehr: Belgische Ermittler öffnen nun den Fall wieder und prüfen Parallelen zu Maddies Verschwinden.

(Foto: picture-alliance / dpa/epa)

Ein 43-jähriger Deutscher steht im Verdacht, die kleine Maddie McCann getötet zu haben. In dem Fall gibt es nun zahlreiche neue Hinweise. Möglicherweise fielen dem Mann weitere Kinder zum Opfer. Auch in Belgien öffnet die Staatsanwaltschaft einen Vermisstenfall, der 25 Jahre zurückliegt.

Im Fall des vor 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann sind seit Mitte voriger Woche beim Bundeskriminalamt (BKA) Hunderte neue Hinweise eingegangen. Das sagte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Hans Christian Wolters. Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" vom vergangenen Mittwochabend habe die erwartete große Resonanz gefunden. Die Hinweise würden nun abgearbeitet. "Erfahrungsgemäß wird die Auswertung dieser Hinweise zumindest mehrere Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen."

Die damals dreijährige Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Ferienort Praia da Luz verschwunden. Die Ermittler vermuten inzwischen, dass ein 43-jähriger Deutscher das Kind entführt und umgebracht hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den in Kiel hinter Gitter sitzenden Mann wegen Mordverdachts. Er befindet sich wegen einer anderen Sache in Strafhaft.

Richter müssen von Amts wegen über eine vorzeitige Entlassung des 43-jährigen Deutschen nach Verbüßung von zwei Dritteln der dortigen Strafe entscheiden. "Der entsprechende Stichtag war gestern. Das zuständige Gericht hat aber noch nicht entschieden", sagte Wolters.

Verschwunden nach Urlaub an der belgischen Nordseeküste

Nach der Wende im Fall Maddie will die belgische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zum Mord an einer deutschen Jugendlichen vor fast 25 Jahren wieder aufnehmen. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brügge. Es geht um den Mord an der damals 16 Jahre alten Urlauberin Carola Titze. Sie hatte 1996 mit ihren Eltern Urlaub an der belgischen Nordseeküste gemacht, ihre Leiche wurde nur 200 Meter von der Feriensiedlung entfernt entdeckt. Die Ermittlungen zu dem Fall waren 2016 eingestellt worden.

Im Fall des damals sechsjährigen René Hasee aus Elsdorf bei Köln, der 1996 in Portugal verschwunden war, sieht die Polizei indes keine Verbindung zum Fall Maddie. Der Vater hatte sich laut Polizei an das BKA gewandt. Das Kriminalkommissariat 11 habe jedoch "keine neuen Hinweise oder Ansätze" für das Verschwinden des Jungen gefunden, "so leid uns das tut", sagte eine Sprecherin.

Auch die Staatsanwaltschaft Stendal prüft nach eigenen Angaben derzeit mögliche Verbindungen zwischen dem Verschwinden der damals fünfjährigen Inga und dem Fall Maddie. Die Frage ist auch hier, ob der in Kiel Inhaftierte etwas mit Ingas Verschwinden zu tun haben könnte: Sie wird seit dem 2. Mai 2015 vermisst. Das Mädchen aus Schönebeck hatte mit seiner Familie einen Ausflug nach Wilhelmshof bei Stendal gemacht. Bis heute ist unklar, was mit ihr geschah. Die Anwältin der Mutter forderte nun ein neues Ermittler-Team.

Die britische Polizei hatte am Sonntag mitgeteilt, dass etwa 400 neue Hinweise im Fall Maddie telefonisch oder per E-Mail eingegangen seien. Anders als die deutschen Ermittler geht Scotland Yard auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. "Es gibt keinen endgültigen Beweis, dass Madeleine noch lebt oder tot ist", sagte ein Polizeisprecher in London.

Die Doku "Der Fall Maddie - Haben sie jetzt endlichen den Richtigen?" gibt es jetzt auf TVNow.

Quelle: ntv.de, mau/dpa