Panorama

Nach Russland-Kritik Restaurant in Baden-Baden feuert Ukrainer

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Das Restaurant "Rizzi" in Baden-Baden. Hier arbeitete noch bis vor kurzem Igor Golod.

(Foto: imago stock&people)

Auf den Einmarsch russischer Truppen in ihr Heimatland reagieren viele Ukrainer mit Wut. So auch Igor Golod. Der Barkeeper, der in Baden-Baden lebt, macht seinem Ärger in einem Instagram-Video Luft. Das kostet ihn den Job.

Ein Edelrestaurant in Baden-Baden hat einem ukrainischen Barkeeper gekündigt, nachdem er in den sozialen Medien den Angriff Russlands auf sein Land kritisiert hatte. Der Rauswurf des Ukrainers wird im Internet heftig kritisiert. Auch der ukrainische Außenminister zeigte sich empört.

Vor wenigen Tagen hatte Igor Golod auf Instagram ein Selfie-Video veröffentlicht, in dem er über den Krieg in der Ukraine schimpft. Darin weist er unter anderem "alle, die mit Waffen in die Ukraine gekommen sind", darauf hin, dass sie "der Tod erwartet". Dabei spart er nicht mit Kraftausdrücken.

Bei Golods Arbeitgeber kam das Video nicht gut an. Der Post des Barkeepers habe "bei vielen Menschen zu Recht für Empörung und Unverständnis gesorgt", schrieb das Restaurant "Rizzi" vor wenigen Tagen in einem Statement auf Instagram. "Wir haben unsere Konsequenzen daraus gezogen und uns mit sofortiger Wirkung von dem Mitarbeiter getrennt", hieß es weiter. Das Restaurant-Team verurteile "jede Form von Rassismus".

Restaurant habe die Wahrheit über getötete Zivilisten verdrängt

Golod reagierte auf die Vorwürfe mit einem Facebook-Post. "Ich bin gegen jede Art von Diskriminierung", schrieb er darin. "Aber es stellt sich heraus, dass man in Deutschland, wie auch in Russland, den Krieg nicht als Krieg bezeichnen kann", beklagte Golod. Der Mann veröffentlichte auch sein Kündigungsschreiben, in dem sein Rauswurf mit "gravierender Rufschädigung" begründet wird. "Ja, das ist ein teures Restaurant, in dem niemand beim Champagnertrinken etwas vom Krieg hören will", schrieb Golod und betonte: "Aber die Demokratie, die es in Deutschland noch gibt, setzt auch Meinungsfreiheit voraus."

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Igor Golod und seine Familie sind vom Krieg in der Ukraine persönlich betroffen. "Nur mit großer Mühe gelang es meiner Frau und mir, unsere Verwandten aus dem Kriegsgebiet zu holen", schrieb der Mann auf Facebook. "Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung." Aber auch in Deutschland sei die Familie laut Golod nicht sicher: "Meine Frau wurde bereits angegriffen, ich bekomme Drohbriefe."

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Facebook, die Leitung des "auf die russischsprachige Bevölkerung Baden-Badens ausgerichteten" Restaurants habe die Wahrheit über die getöteten Zivilisten und die zerstörten Städte nicht hören wollen. "Rizzi, Sie machen sich in Baden-Baden Sorgen um Ihren Ruf in den Augen russischsprachiger Kunden. Sie sollten verstehen, dass Ihr Ruf jetzt ein Ende hat. Und selbst die effektivsten deutschen Waschmittel waschen das Blut der unschuldigen Ermordeten nicht aus Ihren Händen und aus Ihrem Restaurant", heißt es im Facebook-Post des ukrainischen Außenministers.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 23. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, uzh

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