Panorama

Mit 15 Jahren zum IS Behörden nehmen Syrien-Rückkehrerin fest

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Die Deutsche war mit ihrer Familie aus der inzwischen befreiten Stadt Raqqa geflohen.

(Foto: imago/Sebastian Backhaus)

2015 reist die 15-jährige Leonora M. aus Sachsen-Anhalt nach Syrien. Dort schließt sie sich der Terrormiliz Islamischer Staat an, heiratet einen IS-Geheimdienstmitarbeiter und bekommt mit ihm zwei Kinder. Nun wird M. zurück nach Deutschland geholt und am Flughafen verhaftet.

Am Frankfurter Flughafen haben Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt die deutsche Staatsangehörige Leonora M. verhaftet. Sie ist eine von drei Frauen, die die Bundesregierung an diesem Wochenende aus Nordsyrien zurück nach Deutschland geholt hat. An Bord der Maschine waren neben den Frauen und ihren zwölf Kindern auch noch mehrere Waisen. Sie alle saßen zuvor in Lagern in den von kurdischen Sicherheitskräften kontrollierten Gebieten ein, in denen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) inhaftiert sind.

Leonora M. aus Sangerhausen reiste im März 2015 im Alter von 15 Jahren nach Syrien aus und schloss sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft dort dem IS an. Sie heiratete nach islamischem Ritus einen Angehörigen des IS-Geheimdienstes und wurde dessen "Drittfrau". In Raqqa kümmerte sich M. laut Staatsanwaltschaft zur Stärkung der Terrororganisation nicht nur um die häusliche Arbeit und die Erziehung der zwei gemeinsamen Kinder, sondern arbeitete zusätzlich noch einige Zeit in einem IS-Krankenhaus als Pflegekraft. Neben monatlichen Unterstützungszahlungen in Höhe von 50 US-Dollar erhielt sie von der Vereinigung zudem noch eine halbautomatische Selbstladepistole.

Jesidin als Sklavin gehalten und verkauft

Ende 2015 erwarb ihr Ehemann im Zuge des Angriffs des IS gegen die Jesiden eine Frau jesidischen Glaubens als Sklavin mit dem Ziel, diese und ihre beiden Kinder weiterzuveräußern. Leonora M. unterstützte diesen Plan und sorgte dafür, den schlechten Allgemeinzustand der Jesidin zu diesem Zweck zu verbessern. Gleichzeitig wollte sie die Frau angeblich zu dem vom IS vertretenen Islamverständnis führen.

Aufgrund der anhaltenden Kämpfe um Raqqa floh Leonora M. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern im Sommer 2017 aus der Stadt. Die weiteren Gebietsverluste des IS in Syrien zwangen sie noch zu weiteren Umzügen, bis M. mit ihren beiden Kindern Anfang Januar 2019 in einem Flüchtlingslager aufgenommen wurde, in dem sie bis zu ihrer Ausreise lebte.

Leonora M. wird nun dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der über die Untersuchungshaft entscheiden wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland in drei Fällen vor. Außerdem besteht der Tatverdacht der Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Quelle: ntv.de, nan/dpa