Panorama

In bestimmten UnterkünftenBerlin bezahlt Betroffenen des Stromausfalls Hotel

06.01.2026, 12:58 Uhr
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Einige der Betroffenen kommen in Notunterkünften unter. (Foto: picture alliance/dpa)

Noch immer sind Tausende Berlinerinnen und Berliner ohne Strom. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ziehen viele in ein Hotel. Die Kosten müssen sie ursprünglich selbst tragen - was der Berliner Regierung Kritik einbringt. Nun ändert Bürgermeister Wegner das Prozedere.

Berlin will den von dem massiven und anhaltenden Stromausfall im Südwesten der Stadt Betroffenen die Hotelkosten bezahlen. Das kündigten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey an. "Das heißt, all diejenigen, die jetzt betroffen sind und damit bedürftig sind, die können die Hotelrechnungen beim Sozialamt einreichen", sagte Giffey "Radio Eins". Das gelte für die sogenannten Berlin-Partner-Hotels, die den Sparpreis von 70 Euro pro Doppelzimmer pro Nacht anböten.

Hintergrund ist auch, dass der Stromausfall bei winterlichen Temperaturen nun schon Tage anhält. Wegner hatte "Table-Briefings" bereits angekündigt, dass er den Finanzsenator gebeten habe, zu prüfen, inwieweit das Land Berlin entstehende Kosten übernehmen könne. "Ich gehe davon aus, dass das Land diese Kosten tragen wird", hatte er gesagt.

Zuvor galt, dass Betroffene die vergünstigten Hotels selbst zahlen müssen. An dieser Regelung gab es deutliche Kritik. Im Gespräch mit dem "Spiegel" sagte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach etwa: "Warum bietet Kai Wegner den Menschen, die am meisten leiden, kein Hotel an, und sorgt nicht dafür, dass sein Finanzsenator für solche und andere Maßnahmen einen Notfonds bereithält?" Man müsse vor allem Menschen, die wenig haben, unterstützen. Hingegen gebe es auch viele Menschen, die dies nicht brauchen, fügte Krach hinzu. "Eine Sarah Connor kann sich das Hotel leisten und fragt auch gar nicht danach." Die Sängerin ist auch vom Stromausfall betroffen.

Stromversorgung war nicht durch zweites Kabel gesichert

Durch den Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zu einem Heizkraftwerk im Südwesten Berlins war bereits am Samstag der Strom ausgefallen. Für zehntausende Haushalte blieben auch am Dienstag die Wohnungen kalt. Die Reparaturen können sich nach Angaben der Stadt bis Donnerstag hinziehen. Das Land Berlin hatte wegen der massiven Auswirkungen auf zunächst 45.000 Haushalte und Hunderte von Unternehmen eine Großschadenslage erklärt.

Für den Anschlag hat eine linksextreme Gruppe namens "Vulkangruppe" per Bekennerschreiben die Verantwortung übernommen. Sowohl Berlins Innensenatorin Iris Spranger als auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprachen von "Linksterrorismus". Der stellvertretende AfD-Bundessprecher Kay Gottschalk warf dem Senat vor, dass er kein Rezept gegen die seit 2011 wiederholt auftretenden Anschläge linksextremer Gruppen auf Strom-, Bahn- und Kommunikationsnetze in Berlin habe.

Kritik gibt es aber auch daran, dass es offenbar keine zweite Kabelverbindung gegeben hatte, um die Stromversorgung der Stadtteile zu sichern. Sogenannte Redundanzen sind in vielen Bereichen der kritischen Infrastruktur in Deutschland mittlerweile üblich, um sich gegen Anschläge und punktuelle Ausfälle von Technik abzusichern.

Quelle: ntv.de, spl/rts

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