Panorama

Heime, Bahn und Märkte versorgtAusfall in Berlin: Ein Drittel der betroffenen Haushalte wieder am Netz

05.01.2026, 13:44 Uhr
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Vor Supermärkten sind Stromgeneratoren aufgestellt worden. Damit ist die Versorgung mit Lebensmitteln wieder möglich. (Foto: picture alliance/dpa)

Strenger Winter, Schnee und Eis - und Tausende Berliner Haushalte sitzen im Kalten und Dunkeln. Nach dem Brandanschlag auf eine Stromleitung ist der Südwesten der Hauptstadt im Krisenmodus. Immerhin: Beim Aufbau einer Notstromversorgung gibt es laut Wirtschaftssenatorin Giffey Fortschritte.

Der durch einen Brandanschlag am Samstagmorgen verursachte Stromausfall im Berliner Südwesten beschäftigt weiter Einsatzkräfte und Politik. Wie die Berliner Senatorin für Wirtschaft und Energie, Franziska Giffey, mitteilte, sind immerhin 15.000 der 45.000 betroffenen Haushalte wieder an das Stromnetz angeschlossen. Auch fast alle betroffenen Pflegeeinrichtungen sind demnach wieder am Netz, bei zehn von ihnen solle dies noch heute nachgeholt werden, so die SPD-Politikerin.

Giffey berichtete auch über die Versorgung der Stadt mit Notstromaggregaten. So sicherten vier von ihnen die Stromversorgung am S-Bahnhof Wannsee, dadurch könne der S-Bahnverkehr Richtung Potsdam wieder aufgenommen werden. Auch die übrigen S-Bahnhöfe erhielten Notstrom zur Beleuchtung der Bahnsteige. Aggregate sollten Giffey zufolge auch für Supermärkte bereitgestellt werden. Bei Transport, Anschluss und Betrieb der Geräte sei Hilfe von der Bundeswehr angefordert worden.

Noch immer dauern die Arbeiten an den mutmaßlich durch eine linksextremistische Gruppe verübten Terroranschlag zerstörten Kabelanlagen - laut Giffey "planmäßig". Früheren Angaben zufolge solle es noch bis Donnerstag dauern, bis alle betroffenen Haushalte in den Berliner Stadtteilen Wannsee, Nikolassee und Zehlendorf nach einer Reparatur wieder an die Versorgung angeschlossen sein werden.

Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, die Ermittlungen übernommen zu haben. Ein Sprecher der Behörde begründete dies mit der "besonderen Bedeutung des Einzelfalls". Weitere Angaben zu den Ermittlungen machte der Sprecher zunächst nicht. Der Brandanschlag geht nach Einschätzung der Behörden auf das Konto von linksextremistischen Tätern. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben mutmaßlicher Linksextremisten ist laut Innensenatorin Iris Spranger authentisch. Das lange Schreiben der mutmaßlichen Täter "Vulkangruppe" trägt die Überschrift "Den Herrschenden den Saft abdrehen".

Derweil wird in der Berliner Landespolitik über das Krisenmanagement des Senats und die Sicherheit der Infrastruktur in der Hauptstadt diskutiert. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU machte geltend, "dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt". Er gelobte im ZDF jedoch, "diese Angreifbarkeit" abzustellen. Dies brauche jedoch Zeit und zum jetzigen Zeitpunkt blieben neuralgische Stellen. "Soll ich an jede Stelle einen Polizeibeamten stellen?" Nur ein geringer Anteil des Stromnetzes verlaufe oberirdisch. Diesen Teil gelte es effektiver zu schützen - etwa mit Videoüberwachung und Sicherheitsdiensten.

Die Berliner Grünen forderten dringend Verbesserungen beim Katastrophenschutz, der "in Berlin nicht gut aufgestellt" sei, sagte Innenpolitikexperte Vasili Franco. "Der Landesrechnungshof hat ein System der organisierten Unzuständigkeit kritisiert, mangelnde Koordinationsabsprachen und fehlende Zuständigkeiten", sagte Franco mit Hinweis auf den jüngsten Jahresbericht der Behörde. Das sei ein vernichtendes Urteil. "Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Wie kann es sein, dass ein Brandanschlag an einer einzigen Stelle mit so gravierenden Folgen verbunden ist?", sagte Franco. "Wie kann es sein, dass zehntausende Berlinerinnen und Berliner für Tage von der Versorgung abgeschnitten werden? So etwas darf nicht passieren."

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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