Panorama

Nachtleben jetzt richtig dicht Berlin hat vorerst ausgefeiert

a2a861e12733247acb70b6a1013086f6.jpg

In der Nacht war die Polizei in der Hauptstadt unterwegs, um die Verordnung durchzusetzen.

(Foto: dpa)

In der deutschen Partymetropole ist offiziell nichts mehr los. Wer am Samstag noch mal auf den Putz hauen wollte, war zu spät dran. Denn nach lauter Kritik am zögerlichen Vorgehen haben Senat und Polizei die Kneipen und Clubs der Hauptstadt früher als geplant geschlossen.

Im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie hat Berlin am Samstagabend den großen Teil des Hauptstadt-Nachtlebens für die nächsten fünf Wochen beendet. In den Abendstunden fuhr die Polizei die Kneipen ab und ließ sie schließen. Restaurants durften geöffnet bleiben. Trotzdem lagen ganze Straßenzüge etwa in den beliebten Ausgeh-Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain weitgehend im Dunkeln.

Im Zuge der drastischen Maßnahmen mussten auch alle Kinos dicht machen. Ebenso Fitnessstudios und Sportstätten. Die meisten Clubs hatten schon ab Freitag nicht mehr geöffnet. Einige U-Bahnlinien, die in normalen Samstagnächten gut frequentiert sind, waren auffallend leer. Private Feiern sind nur noch mit maximal 50 Teilnehmern erlaubt und sind mit Bürokratie verbunden: Namen und Kontaktdaten der Besucher müssen die Gastgeber festhalten und aufbewahren.

Der Senat hatte am Freitag zunächst angekündigt, Kneipen, Bars und Clubs ab Dienstag zu schließen. Dieses Wochenende wäre für Amüsierwillige folglich die letzte Gelegenheit zum Ausgehen gewesen. Das zögerliche Vorgehen sorgte für viel Kritik. Am Samstag wurde dann plötzlich eine Verordnung beschlossen und veröffentlicht, die eine sofortige Schließung verlangte. Wörtlich hieß es dort unter anderem, zu schließen seien "Tanzlustbarkeiten, Messen, Ausstellungen, Spezialmärkte, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen" sowie Prostitutionsstätten, also Bordelle.

Vor den Spätis drängt es sich

So schützen Sie sich gegen das Coronavirus

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einige Verhaltensregeln:

  • Hände mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife waschen.
  • In die Ellenbeuge husten und niesen, damit die Hände sauber bleiben. Dabei Abstand zu anderen Menschen halten.
  • Hände vom Gesicht fernhalten, aufs Händeschütteln verzichten.
  • In öffentlichen Einrichtungen Hände möglichst mit einem Papiertuch trocknen.
  • Im Büro und zu Hause regelmäßig lüften.

Am Abend teilte die Senatsgesundheitsverwaltung mit, dass die Zahl der bestätigten Corona-Fälle auf 263 gestiegen sei. Davon seien 42 auf einen Club zurückzuführen. Alle Veranstaltungen würden daher verboten. "Es ist einfach nicht die Zeit für Partys."

Auch bei der Berliner Feuerwehr gibt es inzwischen einen Corona-Fall. "Quarantäne für ihn und 24 weitere Kollegen", twitterte die Feuerwehr. Die Polizei ging am Samstagabend in vielen Stadtteilen von Kneipe zu Kneipe und Bar zu Bar und wies die Kellner an, alle Gäste hinauszubitten. In Wedding wurden Eckkneipen geschlossen, deren Gäste völlig überrascht waren. In manchen Restaurants setzte die Polizei durch, dass die Tische auf einen Abstand von 1,50 Meter umgestellt wurden. Vor Spätis saßen hingegen noch in der Nacht Menschen mit Bierflaschen dicht gedrängt.

Über Twitter teilte die Polizei mit, dass es in fast allen Fällen keine Probleme gegeben habe. "Unsere Kollegen melden gerade aus ihrem Einsatz, dass Sie alle volles Verständnis für die Verordnung und die Umsetzung haben. Vielen Dank für Ihre Unterstützung, denn nur gemeinsam können wir #Covid19 eindämmen." Der Regierende Bürgermeister Michael Müller appellierte am Samstag erneut an die Bürger: "Wir alle sollten in diesen kommenden Wochen oder auch Monaten solidarisch miteinander sein, uns gegenseitig unterstützen, helfen, wo Hilfe benötigt wird. Besonders die älteren Mitmenschen unter uns brauchen unsere Unterstützung, weil sie zur größten Risikogruppe zählen, wie die Wissenschaftler uns bestätigen", so der SPD-Politiker.

In der kommenden Woche schließen dann auch noch alle Schulen und Kitas. In den Krankenhäusern und Altenheimen ist Besuch nur noch sehr eingeschränkt und kurz erlaubt. Die Regeln gelten zunächst bis einschließlich 19. April.

Quelle: ntv.de, ino/dpa