Panorama

Corona bremst Unterricht aus Berliner Schule nach drei Tagen wieder dicht

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Bereits an mindestens sieben Berliner Schulen sollen Corona-Fälle aufgetreten sein.

(Foto: imago images/Seeliger)

Das Berliner Schuljahr ist erst wenige Tage alt, doch die erste Schule ist bereits wieder geschlossen. Der Grund: Corona-Verdacht. Einem Bericht zufolge gibt es noch weitere Fälle in Schulen der Hauptstadt. Derweil weist der Bezirk Mitte die bundesweit zweithöchste Infektionsrate auf.

In Berlin hat die erste Schule kurz nach den Sommerferien wegen eines möglichen Corona-Falls zunächst wieder geschlossen. Eine Lehrkraft habe angegeben, positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden zu sein, teilte der Bezirk Treptow-Köpenick mit. Die Bestätigung des Gesundheitsamts stehe noch aus. "Es handelt sich um eine vorsorgliche, wohl eintägige Schließung dieser einen Schule", teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. Wie der RBB unter Berufung auf die Senatsbildungsverwaltung berichtet, sind bereits an Schulen in vier weiteren Berliner Bezirken einzelne Corona-Fälle aufgetreten.

Seit mehreren Tagen steigt die Zahl der bestätigten Neuinfektionen in Berlin stark an. Jüngsten Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) zufolge verzeichnete die Bundeshauptstadt am Mittwoch 125 neue Fälle. Besonders stark betroffen ist demnach der Bezirk Mitte: Nach den jüngsten RKI-Daten liegt die Sieben-Tage-Inzidenz dort bei 28,1 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner.

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Im bundesweiten Vergleich weist Berlin-Mitte damit die zweithöchste Infektionsrate nach dem bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau auf, der mit einem Wert von 93,5 weiterhin die zwischen Bund und Ländern vereinbarte Obergrenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen deutlich überschreitet.

Der Unterricht in Berlin hatte am Montag begonnen - ohne Mindestabstand, dafür mit Maskenpflicht in Schulgebäuden außer im Unterricht und Hygienekonzept. Der Schritt war heftig umstritten. Unter anderem die Bildungsgewerkschaft GEW hatte eine Öffnung in dieser Form als fahrlässig kritisiert und kleinere Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen gefordert. Die Wirtschaft wiederum hatte sich trotz Corona-Pandemie für einen Schulbeginn mit Präsenzunterricht für alle Schüler ausgesprochen.

Auch Fälle in anderen Ländern

In den vergangenen Tagen hatte es bereits in anderen Bundesländern Schulschließungen gegeben. Als Nordrhein-Westfalen am Mittwoch in das neue Schuljahr startete, blieb eine Sekundarschule in Dorsten geschlossen. Eine Lehrerin hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und an den Tagen vor dem Schulbeginn an mehreren Konferenzen teilgenommen. In NRW hat der Streit um die Maskenpflicht dazu geführt, dass eine Mutter gegen das Schulministerium des Landes klagt.

Auch in Schleswig-Holstein, das wie Berlin am vergangenen Montag in das neue Lehrjahr gestartet war, waren Schulen von Corona-Fällen betroffen. Zunächst war noch vor dem Schulstart eine Grundschule in Rantrum bei Husum wegen der Infektion einer Lehrerin geschlossen worden. Inzwischen ist sie wieder in Betrieb. Am Dienstag wurden zwei Jahrgangsstufen einer Gemeinschaftsschule in Ratekau im Kreis Ostholstein geschlossen, nachdem ein Geschwisterkind eines Schülers positiv getestet worden war.

Bereits in der vergangenen Woche waren zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen worden. Betroffen sind eine Grundschule in Graal-Müritz nahe Rostock sowie ein Gymnasium in Ludwigslust. Während Letztere aufgrund eines positiven Tests bei einer Lehrerin bis einschließlich Mittwoch kommender Woche geschlossen bleiben soll, könnte die Grundschule bald wieder öffnen. Es bestehe der begründete Verdacht eines fehlerhaften Covid-19-Tests bei einem Schulkind, hatte der Landkreis Rostock am Mittwoch mitgeteilt. Allerdings seien die Ermittlungen dazu noch nicht abgeschlossen.

Ärztepräsident kritisiert Komplettschließungen

Unterdessen hatte sich Ärztepräsident Klaus Reinhardt dagegen ausgesprochen, im Fall einzelner Corona-Infektionen ganze Schulen zu schließen. "Wenn ein Corona-Fall in einer Schule auftaucht, muss nicht direkt die Schule für 14 Tage geschlossen werden", sagte er der "Rheinischen Post" am Mittwoch. Demnach genüge es, wenn einzelne Klassen oder Kurse zu Hause blieben.

Voraussetzung dafür sei natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler auch nur in diesen Gruppen zusammenkämen. "Grundsätzlich halte ich 14 Tage Quarantäne ohnehin für sehr lang bemessen. Es gibt inzwischen Studien, wonach auch sieben Tage ausreichen, bis das Ansteckungsrisiko vorbei ist." Viele Schulen seien zudem bei Hygiene- und Abstandskonzepten auf den Start nach den Sommerferien nicht ausreichend vorbereitet, so Reinhardt.

Quelle: ntv.de, cri/dpa