Panorama

Bezirk Mitte ist Risikogebiet Berlinern droht Quarantäne im Inland

Kurz vor dem Ferienstart müssen Hauptstädter die Quarantäne-Regeln im Rest Deutschlands genau studieren. Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz setzen den Bezirk Mitte auf die Risikoliste. Mecklenburg-Vorpommern schaut auf Gesamt-Berlin. Doch auch hier steigen die Zahlen weiter.

In Deutschland sollen angesichts steigender Infektionszahlen Reisebeschränkungen auch im Inland die Ausbreitung des Virus verhindern. Dies gilt ab sofort auch für Bewohner des Berliner Bezirks Mitte. Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein bestätigten, dass Verordnungen ihrer Länder eine Quarantänepflicht bei Einreisen aus Risikogebieten vorsehen. Zuvor hatte ntv aus einem Aktenvermerk zitiert, der die Quarantänepflicht auch bei Reisen in Hotspots innerhalb Deutschlands vorschreibt. Unter die Risikogebiete fällt neben Hamm, Remscheid und dem Landkreis Rhön-Grabfeld auch der Berliner Bezirk Mitte. In diesen vier Gebieten sind über sieben Tagen mehr als 50 Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner registriert worden.

Inzwischen haben mit Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zwei weitere Berliner Bezirke diese Hürde gerissen. Allerdings orientieren sich Schlewsig-Holstein und Rheinland-Pfalz an den Einstufungen im Lagebericht des Robert-Kochs-Institus. Und dort ist bislang nur Berlin-Mitte aufgeführt. Hier ist die Zahl der Infizierten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen so hoch wie in keinem anderen der zwölf Berliner Bezirke. Am Abend lag der Wert bei 59,6, also weit über der von Fachleuten als kritisch angesehenen Marke von 50.

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Das könnte Urlaubspläne mancher Berliner mit Blick auf die in einer Woche anstehenden Herbstferien durchkreuzen. Mecklenburg-Vorpommern hat den Bezirk Mitte vorerst noch ausgenommen: Quarantäne-Pflicht soll erst dann gelten, wenn Berlin insgesamt die 50-Fälle-Grenze überschritten hat. Den ersten Schwellwert mit mehr als 30 Neuinfektionen hat die Hauptstadt bereits überschritten.

Bundestagsabgeordnete sind ausgenommen

Im Kern greifen die Reiseeinschränkungen für Touristen. Ausgenommen sind bestimmte Berufsgruppen oder auch Mitglieder des Bundestages. In der Regel sind für andere Reisende dann 14 Tage Quarantäne vorgeschrieben, die nur durch einen negativen Corona-Test verkürzt oder sogar vermieden werden kann.

Die genauen Bestimmungen für Reisen in Deutschland sind je nach Land unterschiedlich. Seit Mai richten sie sich jedoch nach der 50-Fälle-Grenze in fast allen Bundesländern. Lediglich Thüringen, Niedersachsen und Bremen haben keine vergleichbaren Bestimmungen. In neun weiteren Bundesländern ist - anders als etwa in Rheinland-Pfalz - auch ein Beherbergungsverbot für Einwohner aus solchen Risikogebieten vorgesehen.

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Reisen innerhalb Berlins noch erlaubt?

Die Lage in Berlin selbst ist unübersichtlich: Der Bezirk Mitte ist zwar Risikogebiet laut Robert-Koch-Institut (RKI), der Berliner Senat bewertet aber einzelne Bezirke nicht extra. Insofern wären Reisen innerhalb Berlins auch für Bewohner von Berlin-Mitte möglich.

Weil auch im gesamten Berliner Stadtgebiet die Ansteckungszahlen weiter steigen, könnten bald alle Berliner von den Beschränkungen betroffen sein. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage meldeten die Gesundheitsämter 34,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Abend mitteilte. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei knapp 15. Auch aktuell gab es die meisten Fälle wieder im Bezirk Mitte und dort vor allem unter jungen Erwachsenen. Es folgen Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln.

Höchster Zuwachs seit Beginn der Pandemie

Berlinweit meldeten die Gesundheitsämter insgesamt 339 Neuinfektionen. Das ist nach Angaben der Gesundheitsverwaltung der höchste Zuwachs seit Beginn der Pandemie im Frühjahr, damals wurden jedoch viel weniger Menschen getestet. Daten aus dem Bezirk Lichtenberg konnten wegen technischer Probleme nicht verarbeitet werden, wie es hieß.

Im Corona-Warnsystem des Landes steht wegen der hohen Zahl der Neuinfektionen im 7-Tage-Zeitraum eine von drei Ampeln auf Rot. Grün sind die Signale zur Auslastung der Intensivbetten und zum Reproduktionswert. Dieser gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter durchschnittlich ansteckt. Seit Ausbruch der Seuche gab es in der Hauptstadt 15.370 Covid-19-Erkrankungen; 13.060 Patienten davon gelten als genesen. 231 starben im Zusammenhang mit der Erkrankung.

Während Berlinern somit bei Reisen in andere Bundesländer künftig eine Quarantäne droht, gilt dies nicht für Berlin-Reisende aus anderen Gebieten Deutschlands mit erhöhtem Infektionsrisiko. Der Senat schaffe die Regelung zum 3. Oktober ab, sagte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung.

Quelle: ntv.de, mau/rts/dpa