Panorama

"Flugzeug ist im Sturzflug" Biden wird Einreisestopp für Europa erneuern

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Noch ist die südafrikanische Mutation nicht in den USA nachgewiesen worden: Joe Biden am Sonntag im Weißen Haus.

(Foto: REUTERS)

In den USA geht die Angst vor Mutationen um. Der neue Präsident wird wohl schon am Montag die gerade erst aufgehobenen Einreiseverbote für Europäer wieder verhängen. Bidens designierter Gesundheitsminister wählt für die stockende Impfkampagne ein dramatisches Bild: "Das Flugzeug ist im Sturzflug."

US-Präsident Joe Biden wird Insidern zufolge im Kampf gegen die ansteckenderen Varianten des Coronavirus am Montag neue Einreiseverbote gegen europäische und andere Staaten verhängen. Betroffen seien Nicht-US-Bürger, die sich in Großbritannien, Brasilien, Südafrika, Irland und der EU aufgehalten haben, berichtet Reuters unter Berufung auf Vertreter der Gesundheitsbehörden, die namentlich nicht genannt werden wollten. Die zuerst in Südafrika nachgewiesene Mutation ist bislang nicht in den USA nachgewiesen worden, eine von britischen Wissenschaftlern gefundene Variante dagegen bereits in 20 Bundesstaaten.

Die USA hatten im März unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump Einreiseverbote für die meisten Besucher aus Europa verhängt und im Mai dann für solche aus Brasilien. Trump verfügte zwar Anfang vergangener Woche, dass diese Maßnahmen am Dienstag auslaufen sollten. Die Anweisungen seines Nachfolgers Biden - seit Mittwoch im Amt - machen diesen Schritt jedoch rückgängig.

Impfkampagne: Mehr Unterstützung aus Washington

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Nach dem schleppenden Anlauf der US-Impfkampagne versprach der nominierte Gesundheitsminister Xavier Becerra unterdessen den einzelnen Bundesstaaten mehr Unterstützung aus Washington. "Man kann den Bundesstaaten nicht einfach sagen: Hier ist der Impfstoff, hier sind Masken, jetzt legt los", sagte Becerra im Nachrichtensender CNN. Die Regierung Biden sieht ein zentrales Problem darin, dass unter Trump die Zentralbehörden sich zwar darum gekümmert hätten, die Impfstoffe im Land zu verteilen - den Rest aber den Bundesstaaten überließen.

Becerra ließ auf wiederholte Nachfragen offen, wann jeder Amerikaner die Möglichkeit haben werde, eine Corona-Impfung zu bekommen. Das hänge unter anderem von der Koordination zwischen örtlichen und zentralen Behörden ab - und er wolle erst einen Termin nennen, wenn dieser verlässlich feststehe. "Das Flugzeug ist im Sturzflug - und wir müssen es hochreißen. Das wird nicht über Nacht passieren", sagte Becerra. Die Trump-Regierung hatte die Verfügbarkeit der Impfstoffe für alle im Sommer in Aussicht gestellt. Daran gibt es aber inzwischen Zweifel. Bisher wurden erst rund 20 Millionen Amerikaner geimpft.

Biden spricht davon, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Impfdosen verabreichen zu lassen. Die Zahl wurde zum Teil als nicht ambitioniert genug kritisiert, nachdem die Trump-Regierung ein schnelleres Tempo versprochen hatte. Der Corona-Experte Anthony Fauci betonte jedoch, dass dies ein Mindestziel sei, das übertroffen werden könnte. "Das ist der Boden, nicht die Decke", sagte Fauci im TV-Sender CBS. Fauci prognostizierte zuletzt, dass es in den USA im Herbst eine gewisse Rückkehr zur Normalität geben könne, sofern es gelinge, bis dahin einen Großteil der Bevölkerung zu impfen.

Quelle: ntv.de, mau/rts