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Ausbau der Impfstoff-Produktion Biontech: Mehr Geld würde helfen

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Mehr Geld würde doch helfen, sagt Biontech - und widerspricht damit Kanzlerin Merkel.

(Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva)

Der Bedarf an Impfstoff gegen das Coronavirus wird nach Einschätzung von Biontech auch im kommenden Jahr zunehmen. Staatliche Investitionen wären nach Ansicht des Mainzer Unternehmens hilfreich, um die Produktion schnell auszubauen. US-Partner Pfizer ist da bereits einen Schritt weiter.

Dem Mainzer Impfstoffhersteller Biontech würde nach eigenen Angaben mehr Geld von Deutschland und der EU helfen, die Produktionskapazitäten des Corona-Impfstoffs auszubauen. "Im vergangenen Jahr hätte uns mehr Geld nicht geholfen, weil wir den Produktionsprozess im großen Maßstab erst sicher aufstellen mussten", sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting dem "Spiegel". "Jetzt aber würde Geld helfen. Erst recht, wenn wir für nächstes Jahr eine Kapazität von drei Milliarden Dosen antizipieren sollen, wie es diese Woche bereits angefragt wurde."

Poetting geht davon aus, dass der Bedarf an Impfstoff weiter steigen wird. "Es gibt unterversorgte Länder, es könnte eine dritte Impfdosis gegen mutierte Varianten des Virus notwendig werden, oder es könnten sich ganz neue Mutationen entwickeln. Deswegen arbeiten wir daran, weitere Standorte auszubauen und neue Partner in unser Netzwerk zu nehmen", sagte er.

Ein Regierungssprecher teilte mit: "Wir sind schon mit Biontech über finanzielle Absicherungen im Gespräch. Wir werden alles Notwendige zur Unterstützung tun." Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland bekräftigt: "Am Geld wird die schnellere Beschaffung von Impfstoff jedenfalls nicht scheitern." Weiter sagte er: "Ich spreche mit Unternehmen und frage: Gibt es eine Stelle, wo wir mit öffentlichen Mitteln privatwirtschaftliche Entscheidungen erleichtern können?" Wenn eine Firma Sorge habe, "soll sie das klipp und klar sagen und wir lösen das Problem".

Zuvor hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angesichts der Lieferengpässe bei Corona-Impfstoffen für die Bereitstellung weiterer EU-Mittel geworben. Als Beispiel wurden zusätzliche Investitionen in den Ausbau oder die Umwidmung von Produktionsstätten genannt. Poetting sagte dem Magazin dazu: "Den Vorschlag müsste man prüfen. Er könnte idealerweise dazu führen, dass mittelfristig Kapazitäten erhöht werden könnten."

US-Regierung unterstützt Pfizer

Biontechs Partner Pfizer erhält in den USA bereits Unterstützung, um die Produktion des gemeinsam entwickelten Impfstoffs auszubauen. Die US-Regierung setzt ein Gesetz zur Militärproduktion ein, um sicherzustellen, dass Pfizer den ersten Zugriff auf Komponenten für die Herstellung und Abfüllung des Impfstoffs bekommt, wie der Corona-Logistik-Koordinator des Weißen Hauses, Tim Manning, erklärte. Als Beispiel nannte er bestimmte Pumpen und Filter. Der Schritt der Regierung werde Pfizer ermöglichen, die Produktion anzukurbeln "und die Ziele zu erfüllen, in den kommenden Monaten Hunderte Millionen Dosen auszuliefern", so Manning.

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Das Gesetz zur Militärproduktion werde auch eingesetzt, um die Produktion von Corona-Schnelltests für zu Hause anzuschieben. Bis zum Spätsommer soll es mindestens 61 Millionen solcher Tests geben. Zudem plant die Regierung, die heimische Produktion von Schutzkleidung, Masken und Handschuhen für das Gesundheitswesen anzuschieben. Die Regierung werde in Fabriken investieren, um eine Produktionskapazität von einer Milliarde Handschuhen im Monat aufzubauen, sagte Manning. Es handelt sich dabei um Nitril-Gummi-Handschuhe, wie sie in Krankenhäusern genutzt werden.

Die Ankündigungen stützen sich auf ein Gesetz aus der Zeit des Korea-Kriegs, den sogenannten Defense Production Act, das den Präsidenten mit weitreichenden Befugnissen ausstattet, im Interesse der nationalen Sicherheit in die Privatwirtschaft einzugreifen. Angeordnet werden kann zum Beispiel die Produktion essenzieller Materialien und Waren, um angemessen auf die Krise zu reagieren. Die angekündigten Maßnahmen waren der erste Einsatz des Gesetzes durch die neue US-Regierung.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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