Panorama

Virus-Mutation in Großbritannien Biontech könnte Impfstoff schnell anpassen

435d9d8a7b9780dfe027f9f087f94c25.jpg

Biontech-Gründer Sahin ist zuversichtlich, dass sein Impfstoff auch gegen die neue Mutation in Großbritannien wirkt.

(Foto: AP)

Die in Großbritannien und Südafrika festgestellte Coronavirus-Mutation sorgt in Europa für Unruhe. Doch von Biontech-Gründer Sahin kommen nun beruhigende Töne. Man könne notfalls den bestehenden Impfstoff innerhalb von Wochen den neuen Anforderungen anpassen - was aber voraussichtlich nicht notwendig sei.

Biontech-Gründer Ugur Sahin geht davon aus, innerhalb kurzer Zeit einen neuen Covid-19-Impfstoff entwickeln zu können, falls das bereits vorhandene Vakzin nicht gegen die neue Mutation aus Großbritannien wirken sollte. Bei einer offiziellen Präsentation des gemeinsam mit dem US-Konzern Pfizer vertriebenen Stoffs zeigte er sich aber erneut zuversichtlich, dass dieser auch gegen die neue Variante des Virus wirkt. "Als Wissenschaftler denkt man in Wahrscheinlichkeiten und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch", sagte er. Man könne den Impfstoff notfalls aber innerhalb von sechs Wochen umarbeiten, so der Wissenschaftler. Genehmigungsverfahren würden aber weitere Zeit in Anspruch nehmen.

Sahin sagte, die in Großbritannien nachgewiesene Virusvariante müsse noch genauer untersucht werden. Tatsächlich handele es sich dabei um neun Mutationen. Man wolle in den kommenden zwei Wochen weitere Daten sammeln und diese dann publizieren. Schon in den vergangenen Monaten habe man Mutationen beobachtet und sofort überprüft, wie der Impfstoff auf sie reagiert. "Wir haben festgestellt, dass eine ganze Reihe von Virusvarianten tatsächlich durch unseren Impfstoff bekämpft werden können", sagte er. Wie lange die Impfung vorhalte, sei noch nicht bekannt, sagte Sahin. Derzeit gehe man von einem Mindestschutz von drei Monaten aus. Man arbeite aber daran, dass das Immungedächtnis der Zellen zwei Jahre halte.

Dem Forscher zufolge könnte die neue Virusvariante aber dazu führen, dass mehr Menschen geimpft werden müssen, als die bislang angenommenen 60 bis 70 Prozent. "Wenn das Virus die Menschen noch effizienter ansteckt, braucht man unter Umständen eine höhere Impfrate, um sicherzugehen, dass das normale Leben ohne Lockdowns und Unterbrechungen fortgesetzt werden kann", sagte er. Dennoch würde sich die Lage "dramatisch ändern", wenn 60 bis 70 Prozent geimpft werden könnten. Ob der Biontech-Impfstoff auch vor einer Ansteckung mit dem Virus schützt, werde noch geprüft.

In Deutschland soll wie in der gesamten EU die Impfung direkt nach Weihnachten am 27. Dezember beginnen. Biontech bestätigte bei der Präsentation, dass bis Jahresende weltweit 50 Millionen Dosen bereitgestellt werden sollen, 12,5 Millionen davon gehen an die EU. Bis Ende 2021 sollten es bis zu 1,3 Milliarden Dosen sein. Der Impfstoff werde in Deutschland an 25 Verteilzentren geliefert, von wo sie dann in die 450 Impfzentren und 100 mobilen Impfstationen weitergeleitet würden. Ein Unternehmenssprecher versprach, den Prozess mit ausführlichen Informationen zu begleiten. Der Impfstoff werde in Gefrierboxen mit je 5000 Dosen angeliefert, diese seien auf minus 70 Grad Celsius heruntergekühlt. In normalen Kühlschränken halte sich das Vakzin fünf Tage lang. Bei Temperaturen bis 30 Grad bleibe es bis zu zwei Stunden intakt.

Name des Impfstoffs bekannt gegeben

Sahin erläuterte die Funktionsweise der Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) und verwies darauf, dass diese später wieder vom Körper abgebaut werde. Es gehe darum, mit dem Immunsystem zu kommunizieren. Dieses lerne, zu verhindern, dass das Coronavirus in die Zellen eindringt und verhindere so eine Infektion. Schon zuvor hatte Sahin versichert, es finde keine genetische Veränderung statt, nachdem in Teilen der Bevölkerung entsprechende Befürchtungen laut geworden waren. Sahin zufolge besteht der Impfstoff nur aus der mRNA, Salzen, Lipiden und Zucker.

Bei der Präsentation gaben Sahin und seine Frau Özlem Türeci bekannt, dass der Impfstoff BNT162B2 künftig unter dem Namen "Cominarty" vermarktet werden soll. Türeci betonte, wie sicher das Produkt sei. "Es treten lediglich normale Nebenwirkungen auf, wie bei anderen Impfungen auch", sagte sie. Dazu zählten bei zwei Prozent der Geimpften Kopfschmerzen, bei 3,8 Prozent Müdigkeit. Da die Impfung in Ländern wie den USA, Kanada, Großbritannien und Israel bereits angelaufen ist, seien schon Hunderttausende Menschen geimpft worden. Man werde die Sicherheit weiter genau beobachten und darüber informieren.

Derzeit werde der Impfstoff am Pfizer-Standort Puurs in Belgien, in Mainz, bei Wien und demnächst auch in Marburg produziert, sagte ein Unternehmenssprecher bei der Präsentation. Verschiedene Unternehmen lieferten die benötigten Komponenten zu.

Quelle: ntv.de, vpe