Übernachtungen auch teurer?Bis zu 30 Euro: Venedig plant höheren Beitrag für Tagesgäste

Venedig ächzt weiterhin unter der Last der vielen Touristen. Versuchsmodelle mit Eintrittspreisen in die Lagunenstadt schaffen wenig Erleichterung. Die Gebühren könnten deswegen ab 2027 noch einmal kräftig ansteigen.
Ein Tagesausflug nach Venedig könnte künftig deutlich teurer werden. Nach drei Testjahren soll der Zugangsbeitrag für Tagesgäste ab 2027 eine stabilere Struktur bekommen und nach dem Willen der Stadt spürbar steigen. Im Gespräch sind rund 30 Euro pro Person an besonders gefragten Tagen. Das sagte Michele Zuin, in der Stadtregierung zuständig für Haushalt und Steuern, im Interview mit der Zeitung "Il Gazzettino". Beschlossen ist allerdings noch nichts.
Bislang zahlten Tagestouristen 5 Euro, wenn sie frühzeitig buchten, und 10 Euro bei kurzfristiger Buchung. Diese Beträge seien inzwischen für alle erschwinglich und drohten deshalb, ihre abschreckende Wirkung zu verfehlen, argumentiert Zuin. Um zusätzliche Einnahmen gehe es der Stadt nicht. Ziel sei vielmehr, Tagesgäste, die Venedig schon mehrfach besucht haben, an Spitzentagen wie etwa dem 1. Mai zu einem anderen Ausflugsziel zu bewegen.
Schon im Juni hatte der neue Bürgermeister Simone Venturini einen Beitrag zwischen 30 und 50 Euro für bestimmte Tage ins Spiel gebracht. Nun nennt Zuin 30 Euro als mögliche Größe. Allein entscheiden kann Venedig das nicht: Die Obergrenze des Zugangsbeitrags ist gesetzlich festgelegt. Für eine weitere Erhöhung braucht es die Zustimmung der Regierung und des Parlaments in Rom. Ab wann ein höherer Betrag gelten könnte, ist damit offen.
Auch die Übernachtungssteuer könnte steigen
Neben dem Betrag könnte sich auch der Zeitraum ändern. 2026 galt der Zugangsbeitrag an 60 ausgewählten Tagen zwischen dem 3. April und dem 26. Juli, jeweils von 8:30 bis 16:00 Uhr in der Altstadt. Die Stadt prüft nun, auch März und September einzubeziehen. Mehr Beitragstage haben laut Zuin auch Venedigs Hoteliers gefordert. Entschieden sei das aber noch nicht. Zudem steigen mit jedem weiteren Beitragstag die Kosten für die entsprechenden Kontrollen.
Seit dem 27. Juli können Tagesgäste Venedig wieder kostenlos besuchen. Wer in der Gemeinde übernachtet, zahlt stattdessen die Übernachtungssteuer und ist vom Zugangsbeitrag befreit, muss sich aber an Beitragstagen dafür registrieren. Nach vorläufigen Zahlen der Stadt wurden 2026 insgesamt fast 680.000 kostenpflichtige Tickets registriert, die Einnahmen lagen bei rund 5,2 Millionen Euro. Die Zahl der zahlenden Tagesgäste pro Tag sank laut Stadtverwaltung im Schnitt um 17 Prozent gegenüber 2025 und um rund 32 Prozent gegenüber 2024. Vergleichbar sind die Jahre allerdings nur eingeschränkt: 2026 galt der Beitrag an 60 Tagen, 2025 an 54 und 2024 an 29. Knapp die Hälfte der Tickets wurde zum günstigeren Vorab-Tarif gekauft.
Doch nicht nur Tagesausflüge, auch Übernachtungen in der Lagunenstadt könnten teurer werden. Bereits Anfang September hatte Venedig Pläne vorgestellt, die Übernachtungssteuer anzuheben und sich damit an andere große italienische Städte anzupassen. Für Fünf-Sterne-Hotels steht ein Höchstbetrag von 8 bis 9 Euro pro Nacht im Raum, derzeit sind es maximal 5 Euro. Die Kosten für die Steuerung der Besucherströme sollen damit nach Zuins Worten die Touristen selbst tragen und nicht die Einwohner und Beschäftigten der Stadt.