Panorama

"Last hat Spuren hinterlassen"Bischof Wiesemann gibt Amt im Bistum Speyer auf

19.08.2026, 16:45 Uhr
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Karl-Heinz Wiesemann war seit 2007 Bischof von Speyer. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Die Aufgaben sind groß, die Kraft aber ist endlich: Unerwartet bittet der Bischof von Speyer um die Entpflichtung. Der Vatikan entspricht dem Gesuch. Bereits in der Vergangenheit hatten die Anstrengungen den Bistumsvorsteher zu einer langen Auszeit gezwungen.

Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, hat sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Papst Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch des 66-Jährigen an, wie das Bistum in der rheinland-pfälzischen Stadt mitteilte. Darin hatte Wiesemann um seine Entpflichtung gebeten. Er sei mit großer innerer Freude Bischof gewesen, erklärte Wiesemann. "Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen", sagte er. Ihm sei bewusst geworden, dass er nicht mehr die Kraft habe, "die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen".

Zudem werde ab dem kommenden Jahr die 1000-Jahr-Feier der Grundsteinlegung des Doms in Speyer vorbereitet, die 2030 gefeiert werden soll. Der Speyerer Dom habe es verdient, "dass ein Bischof mit entsprechender Kraft und Leidenschaft in dieser Zeit dauerhaft präsent ist", erklärte Wiesemann. Er bat um Verständnis für den Rücktritt und kündigte zugleich an, weiter als Seelsorger tätig zu sein. "Ich bin mit ganzem Herzen und großer innerer Freude mit Ihnen Christ und für Sie Bischof gewesen. Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen", betonte er.

Wiesemann war seit 2008 Bischof von Speyer. Das Bistum umfasst die Pfalz und den Saarpfalz-Kreis mit rund 1,57 Millionen Menschen - davon rund 423.000 Katholikinnen und Katholiken. Wiesemann war der 96. Bischof von Speyer. Er stammt aus dem Erzbistum Paderborn, wo er am 1. August 1960 in Herford geboren wurde. Die Priesterweihe empfing er 1985 in Rom. Ab 1994 wirkte er als Pfarrer und Propst im Sauerland, am 4. Juli 2002 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof. Die Bischofsweihe empfing er in Paderborn. Am 19. Dezember 2007 ernannte Papst Benedikt XVI. ihn zum Nachfolger von Bischof Anton Schlembach in Speyer, die Amtseinführung folgte am 2. März 2008 im Dom.

Im Mai sprach er in einem NDR-Podcast über seine Depression. Er habe eine siebenmonatige Auszeit genommen und sich in einer Klinik behandeln lassen. Auslöser seien Finanzprobleme und Veränderungen im Bistum und der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gewesen. "Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen", sagte er.

Für das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeute der Rücktritt einen "großen Verlust" erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer aus Münster. Gleichzeitig empfinde er "Hochachtung" vor der Entscheidung. Wilmer würdigte Wiesemann als eine Persönlichkeit, der es zuallererst um die Menschen gegangen sei.

Dem Kirchenrecht zufolge kommt nun dem Domkapitel die Aufgabe zu, in den kommenden Tagen einen sogenannten Diözesanadministrator zu wählen. Er wird das Bistum bis zur Amtsübernahme eines neuen Bischofs leiten.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

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