Panorama

11.385 neue Fälle in 24 Stunden Brasilien kann Corona nicht eindämmen

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Brasilien hat nun mehr Corona-Infektionen als Frankreich.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Brasilien kämpft an zwei Fronten. Während Präsident Bolsonaro auf eine schnelle Wirtschaftsöffnung drängt und sich politische Machtkämpfe liefert, klettern unentwegt die Coronavirus-Fälle im Land. Jetzt ist ein trauriger Negativrekord erreicht.

Die brasilianische Regierung bestätigte 11.385 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, womit sich die Gesamtzahl der Fälle auf 188.974 erhöhte. Bei der Gesamtzahl der Infektionen überrundete Brasilien damit Frankreich, das nach offiziellen Angaben 177.000 Fälle (inkl. Verdachtsfälle) meldete. Die fünf Länder, die bisher mehr Infektionen registriert haben als Brasilien, sind die Vereinigten Staaten, Russland, das Vereinigte Königreich, Spanien und Italien.

Dennoch drängt Präsident Jair Bolsonaro auf eine schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft. Seit Wochen liegt er mit den Gouverneuren der Bundesstaaten wegen der verhängten Beschränkungen des öffentlichen Lebens auf Konfrontationskurs: Er vertritt die Auffassung, dass durch verlorene Arbeitsplätze mehr Schaden angerichtet werde als durch die Krankheit selbst. "Wir werden den Punkt erreichen, an dem hungrige Menschen auf die Straße gehen", sagte Bolsonaro.

Schönheitssalon sei essenzielle Dienstleistung

Im Gegenzug werfen ihm die Bundesstaaten vor, die Corona-Krise herunterzuspielen. Die von dem Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 bezeichnete der rechtsradikale Staatschef in der Vergangenheit als "kleine Grippe". Bolsonaro eskalierte den Streit mit den Bundesstaaten in dieser Woche, indem er Fitnessstudios und Schönheitssalons zu "wesentlichen" Dienstleistungen erklärte, die offiziell wieder öffnen dürfen. Er drohte mit rechtlichen Schritten gegen lokale Regierungen, die sich nicht daran halten würden.

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Sao Paulo, Brasiliens bevölkerungsreichster Staat mit den meisten Covid-19 Fällen, werde Bolsonaros Dekret nicht einhalten, sagte Gouverneur Joao Doria. Er teilt damit die Auffassung von mindestens zehn weiteren Gouverneuren.

Das Wirtschaftsministerium prognostizierte, dass Brasiliens Wirtschaft infolge der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 um 4,7 Prozent schrumpfen würde, der größte jährliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als einem Jahrhundert. Das Ministerium schätze, dass jede weitere Woche unter Quarantänemaßnahmen die Wirtschaft umgerechnet rund 3,15 Milliarden Euro koste.

Bolsonaro steht derzeit politisch unter Druck: wegen des Verdachts der politischen Einflussnahme auf die Bundespolizei und Amtsmissbrauchs hat das Oberste Bundesgericht Brasiliens die Eröffnung eines Verfahrens gegen ihn genehmigt.

Quelle: ntv.de, ysc/Reuters