Bundesstraße voll gesperrtBrücke in Dresden droht einzustürzen

Weil Schäden an einer Dresdner Brücke festgestellt werden, wird sie für den Verkehr gesperrt. Doch auch danach kommt es zu neuen Mängeln. Jetzt soll eine "Not-Notsicherung" helfen, doch es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.
In Dresden spitzt sich die Lage an einer einsturzgefährdeten Brücke zu. Das Bauwerk, über das die Budapester Straße (B173) verläuft, zeigt selbst nach einer Vollsperrung vor einem Monat neue Schäden. Die Leiterin des städtischen Straßen- und Tiefbauamts, Simone Prüfer, will jetzt eine "Not-Notsicherung" errichten, die die Brücke entlasten soll. Die eigentlich angedachte Notsicherung sei inzwischen nicht mehr ausreichend, erklärte Prüfer am Mittwochabend im Bauausschuss des Stadtrats.
Die Brücke wurde in derselben Bauweise errichtet wie die im September 2024 in Dresden eingestürzte Carolabrücke. Stahlseile im Beton sollen die Spannbetonbrücke eigentlich stabil halten. Doch von den insgesamt 1000 Spanndrähten, die in der Brücke der B173 über der Ammonstraße verbaut worden sind, seien bis Mitte Mai 160 gerissen. Offenbar trat Korrosion auf - der Stahl rostete.
Der Brückenbauexperte Professor Steffen Marx von der Technischen Universität Dresden errechnete daraufhin gemeinsam mit der Stadt, dass es noch einen Puffer von 16 Drähten gebe, bis die darunter liegende Straße gesperrt werden müsse, berichten die "Dresdner Neuesten Nachrichten" (DNN). Davon wiederum seien seit der Sperrung der Brücke - also ohne zusätzliche Belastung - sechs gerissen.
"Die Brücke hat mit ihrem Gewicht zu kämpfen", habe Prüfer laut DNN im Bauausschuss gesagt. Marx habe erklärt: "Wir kämpfen gegen die Zeit." Richten sollen es jetzt zusätzliche Stützen. Das erklärte Ziel der Stadt Dresden: zehn weitere Jahre, in denen der Verkehr mit leichten Einschränkungen über die Brücke fließen und die Verwaltung einen Neubau planen kann.
Stadt Dresden vergibt Aufträge zur Gefahrenabwehr
Die Aufträge für vier spezielle Schwerlaststützen im Zuge der Gefahrenabwehr seien bereits von der Stadt ausgelöst worden. Die zusätzlichen Brückenpfeiler sollen mit Fundamenten zwei Meter tief in der Erde verankert werden. Das bloße Aufstellen auf der Straße oder dem Rasen sei nicht sicher genug. Auf der Ammonstraße, die ebenfalls Teil der Bundesstraße 173 ist, fallen deshalb zwei der insgesamt vier Fahrspuren weg, solange die Stützen stehen.
Die vier Stützen, die sogenannte Not-Notsicherung, sollen bis Ende Juli errichtet werden. Daran schließen sich Arbeiten der ohnehin geplanten Notsicherung an: Bis Ende September sollen acht weitere Stützen stehen. Läuft alles nach Plan, kann dann der Verkehr wieder über die Budapester Straße fließen. Lastwagen und alle weiteren Fahrzeuge, die schwerer als 7,5 Tonnen sind, sollen jedoch nicht mehr über die Brücke fahren dürfen, kündigte Prüfer im Bauausschuss an. Geprüft werden soll jedoch, ob die ÖPNV-Busse trotz ihres hohen Gewichts darüber fahren dürfen.
Überwachung verhindert Einsturz
Die Schäden sind glücklicherweise - anders als bei der Carolabrücke - rechtzeitig entdeckt worden. Nach dem Brücken-Kollaps am 11. September 2024 begannen Fachleute mit der Überwachung von schlecht bewerteten Brücken in und um Dresden. Experten gingen bereits zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die Brücke der Budapester Straße keine gute Standfestigkeit mehr aufweist. Ein spezielles Überwachungssystem meldete seitdem Brüche von Spanndrähten.
Am 14. Mai wurde schließlich auf die andauernden Meldungen des Systems reagiert und die Brücke zwischen einer ersten Ab- beziehungsweise Auffahrt und dem Altstädter Ende gesperrt. Eine Woche vorher wurde bereits ein Fahrverbot für Über-7,5-Tonner erlassen und in jeder Richtung eine Fahrspur gesperrt.
Die Budapester Straße bindet den Dresdner Süden an die historische Altstadt an. Zehntausende Auto- und Lastwagenfahrer nutzen die Brücke normalerweise. Hinzu kommen die Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe, die im dichten Takt über das Bauwerk fahren. Ähnlich ist die Situation auf der Ammonstraße: Auch dieser Teil der B173 wird täglich von Zehntausenden Autos und Lkw befahren. Die Folgen der Sperrungen ziehen sich durch sämtliche bedeutenden Straßen der Dresdner Innenstadt.