Panorama

Proteste am 80. Geburtstag Buddhisten beschimpfen den Dalai Lama

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Der Dalai Lama lebt seit Jahren im Exil im nordindischen Dharamsala.

(Foto: REUTERS)

Er ist der geistige Führer von Millionen Tibetern - und ein internationaler Star. Zu seinem 80. Geburtstag feiern Tausende Anhänger in Kalifornien den Dalai Lama. Doch der Mann mit dem milden Lächeln wird nicht von allen seinen Schäfchen geliebt.

"Hör auf zu lügen!" und "Scheinheiligkeit" steht auf den Plakaten von mehreren hundert Buddhisten, die sich vor dem Konferenzgebäude im kalifornischen Anaheim versammelt haben. Die Schmähungen richten sich gegen den Dalai Lama - und das ausgerechnet an seinem 80. Geburtstag. Von den Protesten dürfte der geistige Führer der buddhistischen Tibeter allerdings nicht viel mitbekommen. Denn drinnen wird er einmal mehr gefeiert. Zum Auftakt eines dreitägigen "Weltgipfels des Mitgefühls" erhält der Exiltibeter stehende Ovationen von den rund 18.000 Teilnehmern und bläst feierlich eine einzelne Kerze auf seiner 2,40 Meter hohen Geburtstagstorte aus.

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Ein Vertreter der tibetischen Exilregierung erweist dem Dalai Lama seinen Respekt.

(Foto: AP)

"Immer, wenn ich müde bin oder die Hoffnung verliere, denke ich an Dich", sagt die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi in ihrer Ansprache. Unter den Gästen der Konferenz sind auch US-Fernsehjournalist Larry King und die Gründerin der Nachrichtenwebsite "Huffington Post", Ariana Huffington. Geschenke wolle der Dalai Lama nicht, verkündet Lama Tenzin Dhonden, Initiator der " Freunde des Dalai Lama". "Aber wenn wir ihm helfen können, eine Welt mit mehr Mitgefühl zu schaffen, wäre das das schönste Geschenk für ihn."

Streit um Religionsfreiheit

Darüber können die Protestierenden vor dem Konferenzgebäude nur bitter lachen. Sie gehören zur Shugden-Gemeinde und werfen dem Dalai Lama schon seit Jahren religiöse Verfolgung vor. Sie glauben an die Schutzgottheit Shugden, deren Verehrung der Dalai Lama untersagt hat. Viele von ihnen leben in westlichen Ländern - und nutzen die Besuche des 80-Jährigen stets, um ihre Forderung nach Religionsfreiheit zu erneuern.

Zuletzt hatten sich hunderte Kritiker des Dalai Lama im südenglischen Aldershot versammelt, um die Einweihung eines buddhistischen Gemeindezentrums zu stören. Doch das spirituelle Oberhaupt ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Erneut warb er für ein friedvolles Miteinander.

Jede Weltreligion trage grundsätzlich die "Botschaft der Liebe" in sich, sagte er damals, "unabhängig von verschiedenen philosophischen Sichtweisen". Der Dalai Lama lebt seit Jahrzehnten im nordindischen Dharamsala im Exil. Er strebt nach eigenen Angaben nicht die Unabhängigkeit Tibets, sondern eine größere Autonomie an. Peking wirft ihm hingegen vor, Tibet von der Volksrepublik China abspalten zu wollen.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP

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