Tochter unter BetrugsverdachtBürgermeister bringt Ermittlungen um mumifizierte Leiche in Niederbayern ins Rollen

Polizisten machen Anfang Februar in Niederbayern eine gruselige Entdeckung. Bei einer Hausdurchsuchung finden sie im Keller die mumifizierte Leiche einer alten Frau. Inzwischen wird gegen die Tochter wegen Betrugsverdachts ermittelt. Den Anstoß für die Ermittlungen gibt erst ein Bürgermeister.
Über mehrere Jahre liegt die Leiche einer alten Frau in einem Haus in Ruhmannsfelden in Niederbayern. Ihre 82 Jahre alte Tochter soll normal weiter mit ihrer toten Mutter weitergelebt haben und laut Staatsanwaltschaft die Rentenzahlungen der Frau erhalten haben. Entdeckt wird die stark mumifizierte Leiche jedoch erst durch einen Hinweis des Bürgermeisters der Gemeinde, Werner Troiber.
In der niederbayerischen Gemeinde sei das Verschwinden der alten Dame zunächst kaum aufgefallen. Nur Troiber ist eigenen Angaben zufolge eines Tages stutzig geworden: "Zum 95. Geburtstag wollte ich gratulieren, bin dreimal hingefahren - niemand hat geöffnet", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Auch weitere Versuche, der Rentnerin zu ihrem 100. und zu weiteren Geburtstagen zu gratulieren, seien gescheitert, weil die betagte Mutter laut ihrer Tochter angeblich krank gewesen sei, führte Troiber weiter aus.
Dann habe die Tochter zum 103. Geburtstag ihrer Mutter erklärt, die Rentnerin sei vor zwei Jahren in Tschechien gestorben. Dies habe den Bürgermeister zum Handeln bewegt. "Die Sache stinkt", wird er im Bericht der Zeitung zitiert. Schließlich habe er am 30. Dezember die Staatsanwaltschaft über den Fall informiert.
Die Hausdurchsuchung ist nach Angaben der Polizei jedoch erst am 5. Februar erfolgt, über 30 Tage nach dem Hinweis. Dabei haben die Beamten die stark mumifizierte Leiche der Seniorin im Keller des Hauses entdeckt. Nach der Obduktion teilte die Polizei mit, die Leiche habe schätzungsweise mehrere Jahre in dem Haus in Ruhmannsfelden im Landkreis Regen gelegen. Wie lang genau, ist noch unklar. Auch die Todesursache habe eine Obduktion nicht klären können. Jedoch seien keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gefunden worden, teilte die Polizei weiter mit.
Ermittlungen wegen Betrugsverdachts
Auch die Nachbarn sollen sich bereits seit Jahren gewundert, jedoch nichts unternommen haben. Anwohner berichteten der "Bild"-Zeitung, die Rentnerin seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen zu haben. Eine Nachbarin habe seit der Corona-Zeit regelmäßig nur für die hochbetagte Tochter Essen gekocht. Einen persönlichen Kontakt habe es kaum gegeben. Andere Anwohner berichteten, die Tochter sei freundlich, aber sehr zurückgezogen gewesen. Ins Haus habe sie niemanden gelassen.
Nach dem Fund der Leiche ermitteln nun Kripo und Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts gegen die 82-jährige Tochter der Toten. Nach Informationen der Zeitung soll die Versichertenkarte der toten Rentnerin seit mehr als zehn Jahren nicht mehr genutzt worden sein. Die Rente in Höhe von rund 1500 Euro sei weiterhin auf ihren Namen bezogen worden. Die Tochter begab sich laut Polizei inzwischen selbst in Behandlung einer Fachklinik.