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In Russe trauern Menschen um Marinowa, die vor fast einer Woche ermordet wurde.
In Russe trauern Menschen um Marinowa, die vor fast einer Woche ermordet wurde.(Foto: AP)
Freitag, 12. Oktober 2018

Mord an Journalistin Marinowa: Bulgarischer Verdächtiger wird abgeschoben

Der Mord an der bulgarischen Journalistin Marinowa hat wohl keinen politischen Hintergrund. Der Täter, der in Deutschland gefasst wurde, gesteht die Tat teilweise. Nun soll er an Bulgarien ausgeliefert werden.

Der in Deutschland gefasste Verdächtige im Fall der ermordeten bulgarischen Journalistin Wiktorija Marinowa sitzt nach Angaben der deutschen Justiz in Auslieferungshaft. Der 20-jährige Sewerin K. habe keine Einwände gegen ein beschleunigtes Verfahren erhoben und werde daher "in Kürze" nach Bulgarien überstellt, erklärten das für die Bearbeitung zuständige Oberlandesgericht und die Generalstaatsanwaltschaft im niedersächsischen Celle.

Marinowa war am vergangenen Wochenende in der bulgarischen Stadt Russe beim Joggen in einem Park vergewaltigt und ermordet worden. Die bulgarischen Ermittler identifizierten K. als Verdächtigen, beantragten einen europäischen Haftbefehl und baten die deutschen Behörden um Amtshilfe, weil er sich in Stade bei Hamburg bei Angehörigen aufhielt. Daraufhin wurde er durch Zielfahnder und Spezialkräfte der niedersächsischen Polizei bei Verwandten aufgespürt und gefasst.

Wie Gericht und Staatsanwaltschaft mitteilten, gestand der Mann gegenüber der deutschen Justiz, Marinowa am Samstag "nach einem verbalen Streit" unter Drogen- und Alkoholeinfluss geschlagen und in einen Busch geworfen zu haben. Eine Tötungsabsicht bestritt er ebenso wie eine Vergewaltigung. "Ein politischer Hintergrund kann vor dem Hintergrund dieser Einlassungen nicht angenommen werden", erklärte die niedersächsische Generalstaatsanwaltschaft weiter.

Wegen anderem Mordfall gesucht

Die bulgarischen Behörden hatten unter Verweis auf die bisherigen Ermittlungsergebnisse bereits aus Anlass der Festnahme von K. betont, sie gingen nicht von einem Zusammenhang zwischen der Tat und Marinowas journalistischer Arbeit aus. Der Verdächtige lebte demnach in deren Nachbarschaft. Es sei von einem spontanen Angriff aus sexuellen Motiven auszugehen, erklärten sie. Die Täterschaft des 20-Jährigen wird demnach unter anderem durch DNA-Spuren belegt.

Marinowa arbeitete als Moderatorin für den privaten Lokalsender TVN, der wenige Tage vor ihrer Ermordung Interviews zwischen ihr und zwei investigativen Journalisten ausstrahlte. Die Reporter berichteten über ihre Recherchen zur mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Geldern in Bulgarien durch Geschäftsleute und Politiker. Der Mord hatte international große Empörung ausgelöst, in ersten Reaktionen reagierten ausländische Medien und Politiker besorgt wegen einer möglichen Verbindung zur journalistischen Arbeit des Opfers.

Quelle: n-tv.de