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Auch Kita-Personal Bundesländer wollen Lehrer früher impfen

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Weil viele Kandidaten ihren Termin zur Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin nicht wahrnehmen, haben die Bundesländer Impfdosen auf Lager.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Kurz vor den Schulöffnungen fordern Lehrer vorgezogene Impfungen gegen das Coronavirus. Niedersachsen will sich mit anderen Bundesländern nun dafür einsetzen, dass der Bund die Impfreihenfolge entsprechend anpasst. Ungenutzte Impfdosen von Astrazeneca könnten so zum Einsatz kommen.

Niedersachsen will einem Bericht zufolge Lehrkräfte und Erzieherinnen früher als geplant eine Corona-Schutzimpfung ermöglichen. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium über konkrete Planungen dazu. Demnach will sich Niedersachsen gemeinsam mit anderen Bundesländern beim Bund für eine entsprechende Änderung der Impfverordnung einsetzen. Damit könnten Gruppen, die laut Priorisierung noch nicht an der Reihe wären, früher geimpft werden.

Niedersachsen hat dem Bericht zufolge derzeit zu viele Impfdosen auf Lager, weil viele Betroffene ihren Termin zur Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca nicht wahrnehmen. "Alle Öffnungsszenarien sehen völlig zurecht eine hohe Priorität für den Bildungsbereich vor", sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann der Zeitung. Da sei es "nur folgerichtig, auch die Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher mit einer höheren Priorität als bisher zu impfen". Die Landesregierung habe dieses Anliegen "schon mehrfach auf Bundesebene vorgetragen", sagte Reimann. Sie hoffe sehr, dass die Impfverordnung des Bundes bald angepasst werde.

Auch andere Bundesländer plädieren für eine frühere Impfung von Lehrern und Erziehern. Der MDR berichtete unter Berufung auf Aussagen der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping, dass allen Beschäftigten dieser Bereiche in Kürze ein Impfangebot mit dem Vakzin von Astrazeneca gemacht werden könne. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte in einem am Freitag bekanntgewordenen Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn um eine Prüfung gebeten, inwieweit diejenigen aus der dritten Gruppe der Impfreihenfolge bereits jetzt mit dem ausreichend vorhandenen Präparat von Astrazeneca geimpft werden könnten. "Dies würde auch eine schnellere Impfung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern ermöglichen", heißt es darin.

Berlin bereitet sich auf Anpassungen vor

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci unterstützt die Forderung einer früheren Impfung ebenfalls. Berlin bereite sich auf eine entsprechende Anpassung der Impfverordnung vor, sagte sie. Spahn hatte ebenfalls erkennen lassen, dass er eine frühere Priorisierung von Grundschullehrern und Kita-Personal bei Impfungen ermöglichen will, da Abstandsregeln für sie nicht durchgehend einzuhalten seien. Dem Minister zufolge zeichnet sich ein "relativ großer Konsens" in dieser Frage ab. Für den Fall einer Einigung stellte er eine zügige Änderung der Impfverordnung in Aussicht.

Angesichts der anstehenden Schulöffnungen fordern Lehrerverbände vorgezogene Impfungen für Klassenlehrer im Präsenzunterricht. „Wenn die Politik wieder vollen Präsenzunterricht will, muss sie allen Lehrkräften vorab ein Impfangebot gemacht haben“, sagte Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schulen seien Teil der Gesellschaft und deshalb sollten für sie in Pandemiezeiten grundsätzlich keine anderen Regeln gelten als in der gesamten Gesellschaft auch.

"Nicht nur für Grundschullehrer"

Auch Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, fordert eine bevorzugte Impfung für Lehrer. "Dies sollte - angefangen bei den Älteren und über 60-Jährigen - schnell geschehen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Dies dürfe nicht nur, wie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, für Grundschullehrer gelten. "Ein Vorrücken aller Lehrkräfte im Präsenzunterricht in der Rangfolge des Alters von der dritten in zweite Prioritätsgruppe wäre ein wichtiger Baustein für den Gesundheitsschutz an Schulen", sagte Meidinger.

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In manchen Bundesländern wie dem Saarland, Bremen oder Sachsen kehrten Abschlussklassen in Gymnasien, Berufs- und Realschulen teilweise in voller Stärke in den Unterricht zurück. Viele Lehrer sehen Meidingers Angaben zufolge mit Sorge, dass der Schulstart in die gleiche Phase fällt, in der sich die ansteckendere britische Virusvariante stark verbreite. "Wir erwarten, dass die Länder bei Ausbrüchen mit Mutationsvarianten früh und konsequent mit dem Wechsel in den Distanzunterricht handeln und man nicht wie im vergangenen Herbst wartet, bis die Zahlen durch Decke gehen."

Auch müsse der Schutz in den Klassenzimmern verstärkt werden: "Wir sind generell für eine Maskenpflicht, die mindestens die Qualität chirurgischer OP-Masken haben sollten", sagte Meidinger. "Modische Textilmasken oder Schals sind der jetzigen Situation nicht mehr angemessen", fügte er hinzu.

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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