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Soldaten suchen Kampfjet-Trümmer Bundeswehr ermittelt Absturzursache selbst

Zwei Kampfjets der Bundeswehr kommen sich bei einer Übung zu nah und stürzen ab. Dabei kommt ein Pilot ums Leben. Spezialisten des Militärs sollen nun klären, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Bergung der Wrackteile ist nicht ungefährlich.

Am Tag nach dem tödlichen Absturz von zwei "Eurofighter"-Kampfjets der Luftwaffe in Mecklenburg-Vorpommern läuft die Suche nach der Unglücksursache auf Hochtouren. Die Bundeswehr übernahm dazu die Ermittlungen. Dazu gehöre auch die Auswertung der Flugdatenschreiber beider Maschinen, wie ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte. Zum zeitlichen Ablauf der Bergung machte er keine Angaben.

Die Leitung der Untersuchung liegt beim General Flugsicherheit, das ist eine Position mit eigener Abteilung im Luftfahrtamt der Bundeswehr. Zuvor lagen die Ermittlungen zunächst bei der Bundespolizei und der zivilen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, einer Behörde aus dem Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministeriums.

Wie Luftwaffen-Sprecher Major Roman Ladenko am Morgen bestätigte, wurde die Suche nach Wrackteilen und die Sicherung der Absturzstellen in der Nacht fortgesetzt. Insgesamt sei die Zahl der beteiligten Einsatzkräfte der Bundeswehr auf mehr als 300 erhöht worden. Sie ersetzen die gut 200 Polizeibeamten, die am Montagnachmittag unmittelbar nach der Flugzeugkatastrophe mit der Suche nach den Piloten und der Sicherung der Unglücksorte begonnen hatten, am späten Abend dann aber abgezogen wurden.

Ebenfalls am Abend war der General Flugsicherheit der Bundeswehr in Nossentin eingetroffen und hatte die Leitung der Flugunfalluntersuchung übernommen. Bei Luftkampfübungen waren zu Wochenbeginn zwei einsitzige "Eurofighter" über der Mecklenburgischen Seenplatte zusammengestoßen und mehrere Kilometer voneinander entfernt abgestürzt. Dabei wurde ein Pilot getötet. Der zweite überlebte das Unglück und wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Die beiden Militärmaschinen gingen in der Region Malchow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte nieder. Ein dritter Kampfjet, der an der Übung beteiligt war, konnte den Absturz beobachten. Beiden Piloten gelang es noch, die Schleudersitze zu aktivieren. Einer der beiden Flugzeugführer konnte von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen werden. Der zweite Pilot wurde später tot gefunden. 

Zu dem genauen Zustand des Überlebenden und seinen Aussagen zum Unglückshergang machte die Luftwaffe keine Angaben. Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend, hieß es am Montagabend. Er liege im Krankenhaus. Das Dorf Nossentiner Hütte entging bei dem Unglück nur knapp einer Katastrophe. Eine Maschine stürzte unmittelbar neben dem Ortsrand auf eine Freifläche, die andere wenige Kilometer entfernt in ein Waldgebiet nahe Silz und Jabel.

Flugmanöver über besiedeltem Gebiet

Die Linke forderte als Konsequenz ein Ende der militärischen Luftkampfübungen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie seien nicht nötig und stellten eine Gefahr für Menschen sowie eine Belastung für die Umwelt dar, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Oppositionsfraktion im Schweriner Landtag, Peter Ritter. "Wir erwarten eine zügige Aufklärung der Ursachen für das Unglück, damit ähnliche Vorfälle verhindert und weitere Gefahren für die Bevölkerung ausgeschlossen werden können." Es war das schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit Jahren.

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"Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Besuch der Absturzstelle. Sie kündigte eine genaue Aufklärung des Unglücks an. Die Eurofighter seien nicht bewaffnet gewesen, teilte die Luftwaffe mit. Das Unglück wurde den Angaben zufolge vom Piloten eines dritten Kampfjets beobachtet. Die Maschinen gehörten zum Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff", das in Laage bei Rostock stationiert ist.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier stimmte die in der Absturzregion lebenden Menschen auf längere Einschränkungen und Absperrungen ein. Das sei nötig, um alle Teile der abgestürzten Maschinen bergen und die Absturzursache ermitteln zu können, sagte er. Caffier forderte die Bevölkerung auf, sich von den kilometerweit verstreuten Wrackteilen fernzuhalten. Bei der Sicherung der Unfallstelle seien wegen giftigen Rauchs bereits zwei Feuerwehrleute verletzt worden.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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