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"Eurofighter"-Kollision in MV Ein Feuerball am Nachmittagshimmel

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Nach der Kollision ging dieser "Eurofighter" in Flammen auf und stürzte zu Boden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Übung der Luftwaffe endet in einer Katastrophe: Über Mecklenburg-Vorpommern stoßen zwei "Eurofighter" zusammen und stürzen ab. Einer der beiden Piloten kommt ums Leben. Eine kurze Rekapitulation des Tages.

An diesem warmen Sommertag trüben nur einige Schleierwolken den strahlend blauen Himmel über der Mecklenburgischen Seenplatte. Rund um die Inselstadt Malchow genießen Touristen und Einheimische die Idylle. Bis gegen 14 Uhr ein lauter Knall ertönt. Schockierte Zeugen blicken zum Himmel, zücken ihre Smartphones und nehmen auf, wie ein Feuerball in der Ferne am Waldesrand niederschlägt.

Was viele zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: An diesem Montagnachmittag ereignet sich eines der schwersten Unglücke der Bundeswehr seit Jahren. Zwei Kampfflugzeuge kollidieren, stürzen ab. Von den beiden Piloten wird einer das Unglück nicht überleben.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen eilt ebenso wie der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, zum Unglücksort. Sie richten den Angehörigen ihr Beileid aus und danken den Rettern für ihren Einsatz. "Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten", sagt sie und kündigt eine genaue Aufklärung des Unglücks an. Die Suche nach den Flugdatenschreibern hat begonnen.

Was war geschehen? Drei unbewaffnete "Eurofighter" des Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" aus dem nahgelegenen Laage nehmen an einer "Air Combat Mission" teil - einer Luftkampfübung. Aus bislang ungeklärter Ursache geraten zwei von ihnen rund 20 Minuten nach dem Start im Luftraum über dem Drewitzer See und dem Fleesensee zu nah aneinander. Sie berühren sich. Die Schleudersitze der Einsitzer katapultieren die Piloten aus den Maschinen. Aus dem dritten Jet beobachtet ein weiterer Soldat das Unglück. Er wird sagen, er habe zwei Fallschirme zu Boden gehen sehen.

Die beschädigten "Eurofighter" fallen vom Himmel. Einer von ihnen schlägt im Bereich eines Fliegerdenkmals zwischen den Ortschaften Silz und Jabel in einem Waldgebiet auf. Der zweite prallt auf einem Feld am Waldrand südwestlich der Ortschaft Nossentiner Hütte auf die Erde. Unmittelbar danach brennt es an den Stellen. Viele Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Autofahrer werden gebeten, die Gebiete zu meiden.

"Ich bin sehr bestürzt über das Unglück"

Rund 60 Polizisten fahren in die Region, wie Diana Mehlberg von der Polizeiinspektion Neubrandenburg n-tv schildert. Hinzu kommen zwei Polizeihubschrauber aus Mecklenburg-Vorpommern und einer aus Brandenburg, mehrere Diensthunde sowie Beamte der Wasserschutzpolizei, der Bereitschaftspolizei und der Rettungshundestaffel. Sie suchen nach den verunglückten Piloten.

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Die Trümmerteile der kollidierten Maschinen verteilen sich um die Absturzorte. Die Polizei warnt die Bevölkerung auf Twitter: "Bitte nähern Sie sich nicht diesen gefährlichen Gegenständen!" Wenige Stunden später steht fest: Es geht glimpflich für die Anwohner aus. Häuser werden nicht beschädigt. Sprecherin Mehlberg gibt im Gespräch mit n-tv am frühen Nachmittag Entwarnung: Nach jetzigem Stand seien keine Personen durch herabfliegende Teile verletzt worden. Der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, bestätigt später: Es gibt keine zivilen Opfer.

Gegen 14.45 Uhr finden Rettungskräfte einen der Piloten im Bereich Nossentiner Hütte. Er hängt in etwa 20 Metern Höhe in einem Baum. Sein Fallschirm hat sich in den Ästen verfangen. Er wird in die Uniklinik Rostock gebracht. Dann machen erste Meldungen die Runde, der zweite Pilot habe das Unglück nicht überlebt. Leichenteile werden in der Nähe eines Absturzortes gefunden. Dreieinhalb Stunden nach den ersten Nachrichten von der Kollision ist es schließlich Gewissheit: Der Pilot sei tot, twittert die Luftwaffe.

"Ich bin sehr bestürzt über das Unglück", sagt die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, in Berlin. "Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen." Regierungssprecher Steffen Seibert twittert: "Schreckliche Nachricht vom Flugunfall in Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden des Verunglückten." Für die Luftwaffe ist es "ein tiefer Schock", sagt Gerhartz. Es sei der erste Flugunfall für die Bundeswehr dieser Art. Die "Eurofighter" werden seit 15 Jahren eingesetzt.

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Quelle: n-tv.de, mit dpa

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