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Maas fliegt nach Madeira Bus-Opfer stammen aus ganz Deutschland

Nach dem tödlichen Busunglück auf Madeira sind die Rettungsarbeiten am Unfallort beendet. Viele Opfer sind wohl Deutsche. Einem Hotel zufolge sollen sie aber aus verschiedenen Regionen stammen. Zur Unfallursache kursieren unterschiedliche Theorien.

Bei dem schweren Busunglück auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira sind nach aktuellem Stand 29 Menschen ums Leben gekommen. 27 von ihnen sollen deutsche Staatsbürger sein. Zuvor hatte es geheißen, alle Todesopfer stammen aus Deutschland. Auch Kanzleramtschef Helge Braun sprach von überwiegend deutschen Opfern, machte am Mittag aber keine näheren Angaben.

Laut dem Hotel, in dem die Touristen untergebracht waren, handelt es sich bei den Opfern um Deutsche aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik. Es habe sich nicht um eine gemeinsame Gruppe gehandelt, sondern um Reisende, die zu verschiedenen Zeitpunkten auf Madeira angekommen seien und über einen deutschen Reiseveranstalter und dessen portugiesischen Partner Ausflüge gebucht hätten, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels "Quinta Splendida". Nach Angaben von Tui und Thomas Cook Group handelte es sich bei der Gruppe in dem Reisebus nicht um Touristen dieser beiden Konzerne.

Der Reisebus war am Mittwochabend in der Gemeinde Caniço, in der die Urlauber die Osterferien verbrachten, in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Auf einem im Internet verbreiteten Video ist zu sehen, wie er sich an dem steilen Abhang mehrmals überschlug. Fotos zeigen das zerstörte Wrack auf der Seite und teilweise auf einem roten Ziegeldach liegend.

"Der Bus fuhr von unserem Hotel "Quinta Splendida" los und nach ein paar Sekunden wurde der Bus immer schneller. Er krachte gegen eine Mauer und plötzlich dachten wir, 'das Ganze gerät hier außer Kontrolle'. Der Bus wurde schneller und schneller", sagte einer der Reisenden. Eine Frau ergänzte: "Wir haben dann so reagiert, wie man es bei Notlandungen im Flugzeug machen soll. Wir haben uns zusammengekauert wie Babys. Und das war unser Glück."

Laut Medienberichten haben die Rettungskräfte ihren Einsatz am Unfallort beendet. Das Wrack des Reisebusses sei kurz nach 5 Uhr Ortszeit vom Unglücksort geräumt worden, berichteten der Sender SIC Notícias und die Zeitung "Observador". Die Polizei ist weiterhin mit der Spurensuche beschäftigt.

Auch Portugiesen unter den Verletzten

Die Zeitung "Observador" berichtete zudem von insgesamt 57 Menschen an Bord. Sie waren unterwegs zu einem typisch madeirischen Abendessen in der Hauptstadt Funchal, als gegen 18.30 Uhr das Unglück passierte. Verletzt wurden dabei nach Informationen des Blattes 27 Menschen. Zwei konnten das Krankenhaus demnach bereits wieder verlassen, mehrere andere mussten operiert werden. Unter den Verletzten seien zwei Portugiesen: der Fahrer und ein Fremdenführer.

Bei den Toten handelt es sich nach Klinik-Informationen um 17 Männer und 12 Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Zuvor war von 18 Männern und 11 Frauen die Rede gewesen. Sie wurden in eine eigens eingerichtete Leichenhalle am Flughafen von Funchal gebracht. Sie sollen bis Samstag identifiziert werden. Nach Informationen des Krankenhauses starben 28 Menschen noch am Unfallort, eine Person starb auf der Intensivstation. Neun Verletzte hätten die Klinik bereits wieder verlassen können, vier befinden sich weiterhin auf der Intensivstation.

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Die portugiesischen Streitkräfte stellten drei Militärflugzeuge zur Verfügung, um Betroffene notfalls schnell auf das Festland transportieren zu können. Nach Angaben von Kanzleramtschef Braun wird auch erwogen, einen Flieger der Bundeswehr nach Madeira zu entsenden. Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. Die deutsche Botschaft stehe in engem Kontakt mit den portugiesischen Behörden auf Madeira, um die Identität der Opfer zu klären und den Verletzten beizustehen, twitterte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes.

Unterdessen hat Ilse Everlien Berardo, Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf Madeira, den Einsatz der portugiesischen Ärzte und Krankenschwestern am Unfallort gelobt. "Es wurden sofort Menschen auf der Insel gesucht, die Deutsch sprechen. Obwohl die Ärzte und Schwestern sich rührend um die Verletzten bemühen und kümmern, ist es aber immer wichtig, doch die Muttersprache zu hören und ein paar Worte der Aufmerksamkeit zu bekommen", sagte die Pfarrerin in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland". Die Menschen seien sehr ruhig gewesen. "Sie sind natürlich in einer Art Schockzustand, sie haben die schrecklichen Bilder vor Augen", sagte Berardo dem Sender.

Mechanisches Problem könnte Unfall ausgelöst haben

"Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind", erklärte Bundeskanzlerin Merkel. "Meine aufrichtige Anteilnahme gilt vor allem all den Familien, die in diesem Unglück ihre Liebsten verloren haben." Sie hoffe mit den Verletzten und ihren Angehörigen, die um sie bangten, dass sie die körperlichen wie seelischen Folgen überwinden könnten. Portugals Ministerpräsident António Costa kondolierte Kanzlerin Merkel. Portugals Präsident de Sousa wollte im Laufe des Tages mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen.

Auch Außenminister Heiko Maas zeigte sich tief betroffen. „Es ist erschütternd, dass aus dem Osterurlaub für so viele Menschen eine Tragödie geworden ist. Sie wurden jäh aus dem Leben gerissen oder kämpfen mit schweren Verletzungen. Wir sind heute in Gedanken bei denen, die um ihre Familienangehörigen und Freunde trauern.  Wir alle teilen ihren Schmerz. Den Verletzten wünsche ich rasche Genesung." Nach eigenen Angaben wird Maas noch im Laufe des Tages mit einem Ärzteteam und weiteren Beamten nach Madeira fliegen.  Der deutsche Botschafter befindet sich bereits mit einigen Mitarbeiter auf der Insel.

Die Unfallursache ist immer noch unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. Laut Medienberichten könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache "verfrüht". Der Bus sei im Februar 2013 zugelassen worden und damit nur rund sechs Jahre alt gewesen, berichtete die Zeitung "Diário de Notícias" ohne Nennung von Quellen. Bei dem Fahrer, der bei dem Unfall verletzt wurde, handele es sich um einen 55-Jährigen mit viel Berufserfahrung, hieß es weiter.

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Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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